"Wir sind einem Betrüger aufgesessen." Mit diesen Worten dürfte der Rechtswissenschaftler Oliver Lepsius keinen unwesentlichen Anteil an dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs gehabt haben. Lepsius ist Nachfolger von Peter Häberle, dem Bayreuther Doktorvater zu Guttenbergs, und derzeit Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Vergangene Woche lud er zu einem Symposium über die Causa Guttenberg und die "Rhetorik akademischer und politischer Selbstdarstellung".

Einleitend zog Luca Giuliani, Archäologe und Rektor des Wissenschaftskollegs, anhand des römischen Heerwesens eine aufschlussreiche historische Parallele: Damals wurde die Masse professioneller Soldaten von wenigen Dilettanten befehligt, die aber eine ausführliche rhetorische Bildung genossen hatten.

Der Berliner Literaturwissenschaftler Reinhart Meyer-Kalkus sah zu Guttenberg in der Tradition jener höfisch-galanten Staatskunst, die Kant zu Recht als "Verstellungskunst" bezeichnet hatte. Ähnlich argumentierte auch der Frankfurter Soziologe Tilman Allert. Er zitierte Simmels Exkurs über den Adel: Im Gegensatz zum Bürger, der einen Beruf ausübe, habe der Aristokrat eine Beschäftigung – an der Stelle einer Tätigkeit stehe die bloße Darstellung des Seins. Dies treffe auch auf Guttenbergs erfolgreiche "Selbstperformanz" zu. Für Allert haben "wir in den Abgrund geschaut". Die Darmstädter Philosophin Petra Gehring zielte auf die Bemerkung der Bundeskanzlerin, sie habe einen Minister berufen und keinen wissenschaftlichen Assistenten. In der Äußerung und der folgenden Debatte habe ein "wohlverstandenes Trennungs-Postulat" gefehlt, das die Unterscheidung der Sphären nicht verwechsle mit der Entbindung von Verantwortlichkeit.

"Ein Hauch von Berlusconi schien uns anzuwehen", resümierte der Journalist Peter von Becker, und tatsächlich gleichen sich der "Cavaliere" und der Baron in mehr Aspekten, als der deutschen Öffentlichkeit lieb sein dürfte. Beide machten als "Antipolitiker" Karriere; beide verdankten ihren Aufstieg innerhalb der politischen Klasse einer gegen diese gerichteten Bewegung; beide missbrauchten die dem Amt geltende Aufmerksamkeit zur Selbstdarstellung.