Wohl dem, der nur über ein herausragendes Talent verfügt! Diese Begabung hebt sich bei ihm wie ein Gipfel aus dem Flachland. Niemand kann sie übersehen, er selbst am wenigsten. Wer zum Beispiel leicht überzeugt, ist der geborene Verkäufer. Wer perfekt tüftelt und ein Händchen für Technik hat, startet als Ingenieur durch.

Aber was tut jemand, der mit mehreren Begabungen in ähnlicher Dosis gesegnet ist? 

Mit Talentreichtum fertig zu werden ist auch ein Problem (frei nach Ludwig Erhard). Paradoxerweise kann der vielfach Talentierte zunächst talentlos scheinen: Wo ein Gipfel neben dem anderen steht, hebt sich keiner ab – relatives Flachland.

Im Beruf zieht es die vielseitig Begabten in mehrere Richtungen: Eine Herausforderung als Topmanager, eine Karriere als Wissenschaftler, eine Laufbahn als Schriftsteller – vieles scheint gleichermaßen attraktiv. Während der einseitig Talentierte seine ganze Energie auf eine Herausforderung legt, zerstreut der vielseitig Begabte oft seine Kraft .

Er wird zu einem Zehnkämpfer, der jede Disziplin ein wenig beherrscht, aber keine richtig gut.

Sein Lebenslauf kann der Gehspur eines Betrunkenen gleichen: Er torkelt von einem Feld ins andere, bis man ihn nicht mehr als Begabten, nur noch als Schwankenden wahrnimmt.

Personaler-Urteil: "Der weiß nicht, was er will!"

Erfolg im Beruf ist eine Frage der Konzentration. Rekorde werden nicht von Zehnkämpfern, sondern von Spezialisten erzielt. Wer vielseitig begabt ist, sollte frühzeitig prüfen: In welche Richtung zieht es mich am stärksten? Dieser Weg bietet sich für die Karriere an. Die anderen Talente kann man pflegen, aber besser außerhalb des Berufes.