Eine Überdosis Hoffnung – Seite 1

Der Champ tänzelt an der Hand seines Reiters. Sein Kopf ist erhoben, auf den Flanken breitet sich dunkel der Schweiß aus. Als er das Rund des Führrings betritt, geht ein Raunen durch die Reihen der Zuschauer, die sich am Zaun drängen. 9000 sind zur Galopprennbahn Berlin-Hoppegarten gekommen, um ihn zu sehen. Adern überziehen seinen angespannten Körper, an seinem Maul bildet sich feiner Schaum. Acht Gegner fordern ihn heraus, um ihn auf seiner Distanz zu schlagen, auf der 1000-Meter-Geraden, auf der er fliegen konnte wie kein anderer. Der Champ habe Angst, flüstern sie am Zaun. Sein größter Gegner sei er selbst.

"Budapest Bullet", das Geschoss von Budapest, nannten sie ihn, das schnellste Pferd der Welt. Doch das ist zwei Jahre her. Zwei Jahre lang litt er unter einer komplizierten Hufverletzung, eine halbe Ewigkeit für ein Rennpferd, und als er im letzten August ein Comeback versuchte, ließ er sich überrennen wie einer, dessen Wille gebrochen ist. Der komme niemals zurück, schrieben die Experten. Was für ein Irrsinn, dieses Pferd weiter zu trainieren! Doch auf seiner Internetseite beteten die Fans: "Gib nicht auf, Dozy, wir lieben dich abgöttisch, renne und gewinne!"

"Wir haben nur einen wie ihn", sagte Zoltan Mikoczy, der Besitzer, am Tag zuvor in die Mikrofone der Journalisten im feinen Hotel du Rome in Berlin. "Ach, die Hufe!", rief er, dann blies er die mächtigen Backen auf. "Overdose ist kerngesund. Die Frage ist: Wie geht es seiner Seele? Konnten wir ihm aus seiner Depression heraushelfen?"

Zoltan Mikoczy spricht wie einer, der sich der Last einer großen Verantwortung bewusst ist. Ein Stahlhändler mit beeindruckendem Bauch und einer spiegelnden Halbglatze – exzentrisch, nennt man ihn in der Heimat. Ein Mann, der nur schüchtern wird, wenn er plötzlich englisch reden muss. Von Weitem erinnert er an Tony Soprano, den Mafiaboss aus dem Fernsehen. Normalerweise verschiebt er Schrott in der slowakischen Provinz, doch dieses Pferd hat ihm eine Rolle in der ungarischen Geschichte zugedacht. Sechs Millionen Euro bot ihm ein arabischer Scheich einmal für den Hengst, aber er sagte nur: "Träume verkauft man nicht."

Es war Ende 2008, das Jahr der Bankenkrise, nur knapp wurde der Staatsbankrott abgewendet, als die Ungarn Overdose zu ihrem Sportler des Jahres kürten. Menschen aus 21 Ländern traten seinem Fanclub bei, die New York Times hob ihn auf ihre Titelseite.

"Auf dieses Pferd konnten wir uns einigen", sagt der bekannte ungarische Moderator Andras Kepes. "Overdose hat es den übermächtigen Deutschen, Engländern und Franzosen gezeigt, entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Damit können wir uns identifizieren. Endlich hatten wir wieder etwas, worauf wir stolz sein können."

Zoltan Mikoczy steht mit ernster Miene in der Mitte des Führrings. Sein schwarzer Anzug wirft keine Falte, den Glanz seiner Schuhe hat er sorgfältig geprüft. Ein Dutzend Fernsehkameras verfolgt jede seiner Regungen, ein ungarischer Sender überträgt live. Nur noch 17 Prozent der Ungarn glaubten, dass Overdose gewinnen könne, meldete das Racing Portal. Mikoczy atmet tief ein. Dieser Tag könnte ihn zum Gespött der Galoppwelt machen.

Seit 20 Jahren besitzt Mikoczy Rennpferde, aber in den Nächten zuvor hat er kaum geschlafen. Die Situation, die er sonst so liebt, foltert ihn jetzt: die Menschenmassen und die Kameras, die Fanfaren beim Aufgalopp, das Erklingen der ungarischen Hymne. Gleich werden die Pferde auf die Bahn geführt, dann werden die Boxentüren sich öffnen, 60 Sekunden später wird er endlich eine Antwort haben. Dann wird die Welt wissen, ob ein Märchen weitergeschrieben wird: das Märchen von einem krummbeinigen Hengst, der die Elite europäischer Rennpferde deklassiert, die Geschichte eines Stahlhändlers und seines belächelten Pferdes.

Im November 2010, fünf Monate zuvor, verhüllt ein diesiger Wintermorgen das weitläufige Trainingsgelände von Alag. 20 Minuten sind es mit dem Regionalzug von Budapest, dann steht man auf einem Vorstadtbahnhof, auf dem jeder Passant den Weg zu Overdose weisen kann. Alte Buchen säumen die Auffahrt zu den Stallungen, dampfende Pferde kehren im Pulk von der Trainingsbahn zurück, und vor dem kleinen Backsteinstall schlagen zwei Hunde an.

Der Champ hat dichtes Winterfell, mit wachen Augen registriert er seine Umgebung. Nur eine Runde ist er getrabt, dann ist er auf einen Stein getreten, jetzt führt Zoltan Mikoczy den Hengst prüfend aus der Box. Empfindlich wie Porzellan sind seine Hufe – und würde Mikoczy die Dinge nüchtern betrachten, müsste er sich eingestehen, dass er wie der Besitzer einer Aktie ist, deren Wert mit jedem Tag fällt. Doch immer noch kommt diese alte Frau aus der Nachbarschaft, um für Overdose zu beten.

 

Von den Wänden des Stalles blättert der Putz, viele der Boxen stehen inzwischen leer, die Grasbahn nebenan ist ein halsbrecherischer Acker, und in die Trainerunterkünfte sind bulgarische Familien gezogen, die sich nichts Besseres leisten können.

"Es ist ein Jammer", sagt Zoltan Mikoczy, als er über das Stallgelände läuft. Einst besaß niemand mehr Pferde pro Einwohner als die Magyaren, das stolze Reitervolk – und heute? Sogar der berühmte Kincsem Park, die herrschaftliche Galopprennbahn im Herzen von Budapest, sollte als Bauland verkauft werden. "150 Jahre alte Bäume, denkmalgeschützte Bauten!", ruft Mikoczy. Das ganze Land wird verhökert: die Ackerflächen an Österreich, ehemalige Staatsgebäude an amerikanische Fast-Food-Ketten. Die berühmte ungarische Staatsoper kann man für Hochzeitsfeiern mieten, und die Budapester Altstadt bewohnen nur noch reiche Ausländer. Das Benzin ist inzwischen so teuer, dass es sogar zur Rushhour kaum noch Staus gibt.

"Nur Overdose hat verhindert, dass der Kincsem Park abgerissen wurde", sagt Mikoczy. Er ist Patriot. Seine Rennfarben sind Rot, Weiß und Grün, wie die ungarische Flagge, und nichts schmerzt ihn mehr, als diesen Niedergang zu erleben. Als Sohn ungarischer Eltern wuchs er in der Slowakei auf, mit seinen beiden Töchtern lebt er nahe der ungarischen Grenze. Es war kurz nach der Wende, 1992, als er zum ersten Mal diese kleine Reitschule besuchte, wo es eine abgeschlossene Sektion mit Rennpferden gab, die ihn neugierig machte. Mikoczy freundete sich mit dem Inhaber an, und es dauerte nicht lange, da begann er, sich die ersten Rennpferde zu leihen. Eines war halb blind, sie liefen erbärmlich, doch Mikoczy genoss es, auf der Tribüne zu sitzen, ein paar Forint zu wetten und ihnen auf der Zielgeraden zuzujubeln. Das Stahlgeschäft, in das er investierte, lief blendend, und immer häufiger trug er sein Geld zu Pferdeauktionen. Nie gab er mehr als 2000 Euro aus, er mochte es, sie zu kaufen wie eine billige Wette, und schon im Jahr 2005 brachte er es auf zwölf Pferde. Der Rennbahndirektor von Bratislava war jetzt sein Freund.

Es war im Oktober 2006, als Mikoczy sich einen Traum erfüllte und zu der berühmten Auktion nach Newmarket flog, nach England, in das gelobte Land des Galoppsports. Der Unterhalt seiner Pferde wuchs sich zwar gerade zu einem Problem aus, doch darüber wollte er jetzt nicht nachdenken, nicht hier an diesem ehrwürdigen Verkaufsring, wo die Pferde an ihm vorbeiparadierten und er ein Bier ansetzte. Schon zum zweiten Mal führte man Katalognummer 94 durch den Ring, einen Braunen ohne Namen. Viele Haare und schiefe Beine sah Mikoczy. Der Vater des Hengstes, Starborough, hatte noch nichts Nennenswertes hervorgebracht, die Mutter Our Poppet war ein einziges Mal auf einem belanglosen sechsten Platz gelandet.

"2000 Pfund", rief der Auktionator, und Mikoczy hob aus Spaß den Arm. Er mag die Atmosphäre bei diesen Auktionen, die Aufregung. Vier Jährlinge hatte er an diesem Tag schon ersteigert, jetzt sei Schluss, hatte er seiner Freundin versprochen, doch die war gerade vor der Tür. "Wer bietet 2500?", rief der Auktionator, niemand hob die Hand, und Mikoczy brach der Schweiß aus. Alle Geschwister des Braunen liefen in den Farben seines Züchters, doch diesen hier hatte man schon als Fohlen aussortiert. "Zum Ersten!", "zum Zweiten!" Der Hammer fiel, der Namenlose war seiner.

Sandor Ribarski, der Zoltan Mikoczys Pferde trainierte, freute sich, als der Transporter mit den Jährlingen aus England eintraf. Fünfmal schon hatte er das ungarische Derby gewonnen, achtmal das nationale Championat, doch wie alle Trainer wartete auch Ribarski auf das große Los. Jetzt musterten seine Augen die Neuankömmlinge, die rückwärts über die Rampe stiegen. An dem schmächtigen Braunen blieb sein Blick nicht hängen: struppiges Fell, armseliger Schweif – und dann noch diese unkorrekten Vorderbeine, ein Musterbeispiel an ungesunder Konstitution! Doch irgendwie lustig fand er ihn, komisch, und deshalb gab er ihm spontan den Spitznamen Mickey Mouse. Den Namen einer Comicfigur. Mit diesem Pferd hatte er nicht viel vor.

Niemand riss sich darum, ihn zu reiten, er hatte etwas Arrogantes, Abweisendes an sich, und weil er keine Männer mochte, teilte Ribarski ihm als Pflegerin ein zierliches Mädchen zu. Die Monate vergingen, und schon bald stellte Ribarski fest, dass der Braune es liebte zu laufen – auch wenn er beim Galoppieren die Vorderbeine eigenartig übereinanderwürfelte, als würde er jeden Moment über sie stolpern. Sobald der Hengst die Bahn sah, beschleunigte er seinen Schritt und spitzte die Ohren. Anfangs belächelten die Reiter seinen Ehrgeiz, doch als er die älteren Pferde ein ums andere Mal im Training hinter sich ließ, meldete Ribarski ihn für sein erstes Rennen an.

Nie zuvor hatten Besitzer und Trainer über seine Zukunft gesprochen, einen offiziellen Namen hatte er immer noch nicht, und nun mussten sie ihn der Rennleitung melden. Orient Express, schlug Ribarski vor, Osmana, fiel Mikoczy ein, Obsession, sagte Mikoczys ältere Tochter, Overdose, die jüngere. Und weil die anderen Namen schon registriert waren, blieb Overdose übrig. Eine ordentliche Platzierung hätte sie gefreut, erinnert sich Ribarski, doch was sich an jenem Sonntag im Kincsem Park abspielte, erzählte man sich noch Wochen danach in Alag. Neugierig hatte Overdose die ungewohnte Umgebung gemustert, all die Menschen im Führring, dann war er unbeeindruckt die Gerade heruntergerasselt, erst sechs, dann zehn, dann 18 Längen legte er zwischen sich und seine Gegner. Es sah aus wie ein Spiel. Tatsächlich waren beinahe 50 Meter ein nie gesehener Vorsprung auf 1000 Metern, auf dieser kürzesten und ehrlichsten aller Distanzen, auf der es keine Taktik gibt und Rennen meist nur knapp ausgehen. Die Zeiger der Uhr blieben bei unglaublichen 58 Sekunden stehen, und weil noch nie ein Pferd in Ungarn schneller gelaufen war, dachte Ribarski zuerst an einen technischen Fehler. Immer wieder sah er sich die Wiederholung des Rennens am Bildschirm an, dann schwor er sich, aus diesem Hengst ein Rennpferd zu machen.

Zu Hause an seiner Wand hängt ein gerahmtes Foto von Overdose. Der Züchter hat es Ribarski aus England geschickt, mit einer Widmung: "Mit Stolz haben wir seine Laufbahn verfolgt. Ohne den behutsamen Aufbau wäre er nicht so weit gekommen."

 

Wie ist es möglich, dass er überall siegt? Bei diesem unmöglichen Laufstil?

Ribarski ist ein kleiner Mann mit krummen Beinen und einer Schwäche für schlanke Frauen und Aprikosenschnaps. Er ist erst 49, aber das Adrenalin der Siege und Niederlagen hat sein Gesicht zu einer zerfurchten Landschaft zugerichtet. Ribarski wohnt am Rande des Trainingszentrums, überall in seinem Haus liegen Ledersättel verstreut, Zaumzeug und Pokale. Ribarski lebe für die Pferde, sagen sie hier in Alag. Als er 15 war, stahl er das erste Mal einen Gaul und schwamm mit ihm durch die Donau. Mit 17 ließ er sich in Alag zum Jockey ausbilden. Nach einem Sturz bei einem Jagdrennen wachte er gelähmt im Krankenhaus auf. Nie wieder könne er reiten, sagten die Ärzte, aber nach zwei Monaten kämpfte er sich zurück in den Sattel. Was Pferde angeht, irrt er nie, was Frauen angeht, irrte er häufiger. Seine letzte Freundin ging und nahm all sein Geld mit, dann ging seine Frau und nahm die Kinder. Ribarski sei ein Chaot, sagen sie in Alag, doch niemand hier könne die Pferde so gut lesen wie er.

Ribarski trainiert ohne Stoppuhr, nur mit seinem Auge. Morgens um sechs lässt er die Pferde aus den Boxen holen, umkreist sie, befühlt ihre Beine. Dann entscheidet er, ob sie spazieren gehen oder galoppieren. Mit den Besitzern redet er bloß das Nötigste – seine Pferde erzählen ihm, was sie brauchen. In Frankreich und England, wo arabische Scheichs Millionen in die Trainingszentren gepumpt haben und der Sport zur Industrie wurde, legen Computer das Pensum der Pferde fest, dort setzen sich nur die Stärksten durch. In Alag gibt es keine Computer. Es gibt keine Führanlagen wie in Deutschland, keine Solarien wie in Frankreich und keine Schwimmbecken wie in England. In Alag kann man es sich nicht leisten, ein einzelnes Pferd zu übersehen.

130 Jahre ist es her, dass die ungarische Wunderstute Kincsem mit 54 Siegen in Folge Europa eroberte und die erfolgreichste Galopperin aller Zeiten wurde. Die Pferde aus Alag siegten damals in Baden-Baden, in Paris, in Royal Ascot, dann zerstörte der Zweite Weltkrieg die berühmten ungarischen Zuchtlinien, die Sozialisten ließen den Sport verwahrlosen. Heute werden die Pferde meist nicht weiter als nach Bratislava geschickt, im Westen haben sie kaum eine Chance.

In Alag trainierte Overdose jetzt nur noch allein, denn sobald er einen Rivalen in seiner Nähe spürte, rannte er sich die Seele aus dem Leib wie in einem Rennen. Ribarski wollte, dass Overdose seine Energie speicherte, er wusste, er musste diesen Hengst bremsen. Sie fuhren jetzt mit ihm nach Bratislava, nach Wien, und jedes Mal siegte Overdose, ohne dass seine Gegner den Hauch einer Chance hatten. "Overdose wusste genau, wann er gewonnen hatte", sagt Ribarski. "Er liebte es, in seinem Transporter zu den Rennen zu fahren, je schneller, desto besser. Mit offenen Nüstern stand er erwartungsvoll im Stroh. Nach jedem Sieg schwebte er stolz wie ein Pfau vom Geläuf."

Am Ende des Jahres 2007 war Overdose das beste zweijährige Rennpferd Osteuropas, ungeschlagen in fünf Rennen. Aber war Overdose wirklich ein neuer Champion? Oder nur ein hochgejubelter Klepper? Dieser Ungar errang seine Siege – egal, auf welchem Boden, egal, unter welchem Jockey und egal, auf welcher Distanz. Wie war das nur möglich? Bei diesem unmöglichen Laufstil?

Overdose hatte im darauffolgenden Winter zugelegt, er war jetzt ein kräftiger Dreijähriger, das Alter der Wahrheit für ein Galopprennpferd, und Ribarski wollte es jetzt wissen: Trainierte er nur ein gutes Pferd oder ein Ausnahmepferd? Es war Zeit für Westeuropa! Nach einem leichten Aufbaurennen fuhren sie Overdose nach Baden-Baden, ins Herz des deutschen Galoppsports. Beim Lanson-Cup warteten die Hoffnungsträger eines ganzen Landes auf Overdose. Unter der Überschrift Überdosis Schnelligkeit stimmte die Galoppzeitung Sportwelt das deutsche Publikum auf "das Wunderpferd" aus Ungarn ein.

Overdose erwischte einen schlechten Start, und als er in die Zielgerade einbog, lag er eingezwängt in einem dicht gestaffelten Feld. Er ruderte mit seinen Vorderbeinen, suchte seinen Rhythmus, die Augen des Publikums klebten auf dem unscheinbaren Braunen, und fast hämisch rief der Kommentator: "Ich sehe keine Explosion, da kommt nichts!" Doch dann legte Overdose zu, als ob er einfach in einen höheren Gang schaltete. Er flog ins Ziel mit neun Längen Vorsprung, mehr als 20 Meter – einen so überlegenen Sieg hatte es in der Geschichte dieses Rennens noch nicht gegeben. Seit 30 Jahren kommentiert Manfred Chapman Pferderennen, aber jetzt brachte er keinen zusammenhängenden Satz heraus. "Das ist ein Rennpferd!", stammelte er nur.

Ein ums andere Mal siegte Overdose jetzt, nie mussten seine Jockeys auch nur die Hände heben, nie spürte er die Peitsche, doch immer noch war er nicht in England oder Frankreich gestartet, wo die besten Pferde der Welt antreten. Wen habe dieser Ungar denn schon geschlagen?, hieß es dort. Und galoppiere er nicht wie ein Zirkuspferd? Schon beim Aufgalopp wechselte Overdose die Beine von Rechts- auf Linksgalopp, wie Pferde es normalerweise tun, wenn sie erschöpft sind. Fachleute rätselten, wie er seine Geschwindigkeit von bis zu 65 Stundenkilometern entwickeln könne: War er ein Freak, ein anatomischer Sonderfall?

"Alles Quatsch", sagt Sandor Ribarski, der Trainer. Das Geheimnis sei etwas anderes: "Overdose hat ein Herz, das dreimal so groß ist wie bei anderen Pferden, das Herz eines Kämpfers." Man müsse es vorsichtig behandeln. Wenn Ribarski über Overdose spricht, werden seine Augen feucht. Overdose sei das stolzeste Pferd, das er kenne. Doch empfindlich sei er wie eine Diva.

 

Manchmal saßen er und Mikoczy bis tief in die Nacht beim Bier und schmiedeten Pläne. In England, dort, wo sie Overdose einst ausmusterten, sollte er triumphieren, in Frankreich, in Amerika. Sie wollten der Welt beweisen, dass sie in Alag das schnellste Pferd der Welt trainieren. In Hamburg gewann Overdose jetzt sogar mit blutender Fessel. In der Slowakei enteilte er so weit, dass die Zielfotografen die anderen Galopper nicht einmal auf dasselbe Bild bekamen. In Ungarn nannte man Overdose jetzt in einem Atemzug mit der legendären Kincsem. Manchmal campierten seine Fans sogar nachts vor dem Stall, und als Ribarski zwei Bodyguards davor postierte, versuchten es die Paparazzi mit Teleobjektiven.

Die Saison 2008 steuerte ihrem Höhepunkt zu, als Ribarski Overdose’ Start für den großen Prix de l’Abbaye in Paris bekannt gab. Zehnmal war er ungeschlagen, noch nie in seinem Leben hatte er ein Pferd vor sich dulden müssen, doch jetzt sollte er gegen die besten Sprinter Europas antreten. Der französische Star Marchand d’Or, der mehrfach auf dem höchsten Level gesiegt hatte, war der Favorit – er ließ die anderen Pferde meist am Start vor, um sie in der Zielgeraden wie ein Zug zu überrollen.

Overdose sprang als Erster aus der Startbox, Andreas Suborics, sein Jockey, steuerte ihn gleich nach innen an die Spitze, und weil er bereits am 100-Meter-Pfosten vorbeigeflogen war, konnte er nicht sehen, dass sich die Box eines Pferdes nicht geöffnet hatte. Als der Starter die Fahne für den Fehlstart schwenkte, war Overdose schon außer Sichtweite. Suborics presste sich an seinen Hals, Overdose jagte die Zielgerade hinunter, doch links und rechts wurde die Menge plötzlich still. Die Uhr zeigte im Ziel sagenhafte 54,5 Sekunden an. Overdose tänzelte wie der Sieger von der Bahn, doch Suborics schlich mit versteinerter Miene zum Absattelring.

Das Drama – ein Schmied schlägt einen Nagel zu tief in den Vorderhuf

Marchand d’Or war von seinem Reiter gleich nach dem Start angehalten worden, das Rennen wurde für ungültig erklärt – nun sollte es drei Stunden später wiederholt werden. Zoltan Mikoczy und Sandor Ribarski entschlossen sich, Overdose, der alles gegeben hatte, nicht noch einmal antreten zu lassen. Später mussten sie zusehen, wie Marchand d’Or sich den Siegerkranz umhängen ließ. 54,5 Sekunden – in exakt derselben Zeit wie Overdose hatte er gewonnen, doch an diesem Nachmittag sprachen die Zuschauer von nichts anderem mehr als von diesem Ungarn. "Overdose kann ohne Zweifel der schnellste Sprinter der Welt sein", schrieb Alan Shuback, der Korrespondent der amerikanischen Daily Racing Form, und Neil Clark von der britischen Racing Post trat Overdose’ Fanclub bei. Ein Rennjournalist, der von einem Pferd schwärmte wie ein Teenager von Justin Bieber.

In Budapest fasste Tivadar Farkasházy, der berühmte Fernsehmoderator, die Empörung seiner Landsleute zusammen, indem er die Annullierung des Rennens mit dem Zusatzvertrag von Versailles von 1920 verglich, in dem die Siegermächte des Ersten Weltkriegs Ungarn mehr als zwei Drittel seiner Fläche nahmen. Im Herbst 2008 waren gerade die Banken kollabiert, die Währung Forint verlor ein Drittel ihres Wertes, doch die Fernsehnachrichten machen mit einem Pferd auf. Als hätten sie nur darauf gewartet, dass endlich wieder etwas die Menschen eint in diesem Land, das den Glauben verloren hatte an sich und seine Moral. Der ehemalige Regierungschef Ferenc Gyurcsány hatte 2006 gestanden, "das Volk belogen und alles Wichtige liegen gelassen" zu haben. Gegen den Oppositionsführer Viktor Orban, den heutigen Ministerpräsidenten, ermittelte die Polizei, weil er sich angeblich in die Computer der Regierungspartei gehackt hatte. Und im April 2008 leiteten die Manager einer großen Versicherung mehr als eine Milliarde Forint auf ihre privaten Konten, das Geld ihrer Kunden.

Als Overdose nach der Saison heimkehrte, feierten ihn 10000 in der Arena von Laszlo Pap. Sie schwenkten Nationalflaggen und Overdose-Schriftzüge. Bäcker, Polizisten und Ärzte, Menschen, die noch nie auf einer Rennbahn waren, jubelten Overdose zu. Hunderte Hände streichelten ehrfürchtig sein Fell. Dozy nannten sie ihn, und in Alag fuhren jetzt Staatslimousinen über die matschigen Wege zu seinem Stall. Der Parlamentspräsident und die Finanzministerin verteilten 50 Kilo Äpfel und Möhren. Die Universität von Budapest widmete Overdose eine Ausstellung, Andras Kepes, der Fernsehmoderator, drehte einen Film über sein Leben, und Tivadar Farkasházy, der sonst vor sechs Millionen Zuschauern die Regierung kritisiert, verfasste ein Buch über ihn – 300 Seiten über ein Rennpferd.

Es war im April 2009, als Zoltan Mikoczys Welt ins Wanken geriet. Ein letztes Mal wollte er seinen Hengst der Hauptstadt präsentieren, bevor er die Schmach von Paris sühnen sollte. Im Zentrum von Budapest demonstrierten Tausende Menschen gegen die Sparpläne der Regierung, und im ausverkauften Kincsem Park riss Overdose’ Triumph die Massen zu Jubelstürmen hin. Mikoczy feierte bis in die Morgenstunden, doch als er am nächsten Tag in den Stall kam, fand er Overdose mit angewinkeltem Bein in seiner Box. Der Schmied hatte einen Nagel zu tief in das empfindliche Fleisch des Vorderhufes getrieben, Overdose lahmte. Mikoczy ließ sein Pferd in die Normandie fahren, wo Spezialisten es behandelten, doch nachdem der Gasttrainer es zu früh auf die Bahn geschickt hatte, entzündete sich der Huf erneut.

Es sei eine ernste Erkrankung, eine Hufrehe, erklärte der Tierarzt, nicht wenige Pferde sterben daran, viele bleiben für immer lahm. Mikoczy verschiffte Overdose jetzt nach Sussex, England, wo ein Schmied aus Neuseeland seine Hufe mit Kunststoff überzog. Die teure Reha-Anlage erinnerte Mikoczy an ein Fünf-Sterne-Hotel, doch die Laune seines Hengstes verschlechterte sich von Tag zu Tag. Als sie ihn zum Muskelaufbau in ein Schwimmbecken führen wollten, stemmte Overdose die Beine in den Boden und bewegte sich keinen Zentimeter. Zu fünft, schließlich zu zehnt versuchten sie, ihn in das Becken zu zwingen. Overdose schlug aus. Am Ende verletzte er sich, und sie brachten ihn heim nach Alag.

Mikoczys Ersparnisse gingen zur Neige. Doch er begriff sich jetzt als Hüter eines nationalen Schatzes. In die Kameras sprach er staatstragende Sätze, die darin gipfelten, dass er sein Pferd niemals aufgeben werde – es sei ein "Träger von Hoffnungen und Träumen". Auf den Rennplätzen erschien Mikoczy inzwischen in cremefarbenen Anzügen mit Rose im Knopfloch, im Präsidentenpalast hatte man ihm eine Ehrenmedaille verliehen, und es war nicht mehr ganz klar, wer dieses Pferd dringender brauchte: das Land oder sein Besitzer.

 

Alle ausländischen Kaufangebote hatte Mikoczy abgelehnt, doch als ihm ein ungarisches Firmenkonsortium 2,5 Millionen Euro bot, schlug er ein. Overdose gehörte jetzt zu 50 Prozent einer Bank, einer Versicherung, einem Baukonzern, einer Öl- und einer Immobilienfirma – den fünf größten Unternehmen des Landes. Sie richteten dem Pferd eine Homepage ein – auf Siegerfotos sollte Overdose’ Glanz auf die Manager abstrahlen. Overdose sollte ihr Botschafter sein. Aber was nützt ein Botschafter in einem Stall?

Die Saison 2009 ging zu Ende, und Overdose hatte immer noch keine Rennbahn gesehen. Beinahe täglich fütterte Mikoczy die Journalisten mit neuen Startterminen. Beinahe täglich trat er im Frühstücksfernsehen auf und erklärte anhand von Röntgenbildern Overdose’ Genesungsfortschritte. Irgendwann musste der Tierarzt ihn stoppen. Mikoczy sprach von Hongkong und Dubai, aber noch immer schlich Overdose mit einer Leidensmiene aus der Box, bei jedem Schritt senkte sich sein Kopf.

Als Mikoczy kurz darauf an der rumänischen Grenze verhaftet wurde, verbreiteten sich Gerüchte: Er habe Maschinen einer zahlungsunfähigen Fleischfabrik außer Landes bringen wollen, hieß es; andere munkelten, die Festnahme sei von langer Hand geplant, weil er Kontakte zur slowakischen Mafia habe. Kaum dass er auf freiem Fuß war, rief Mikoczy zur Pressekonferenz nach Alag, und dort spürte er zum ersten Mal, dass man ihm nicht mehr glaubte.

Sein Pferd war gereizt und ausgelaugt, die Saison bereits vorüber, und Sandor Ribarski nahm Overdose mit ins Trainingszentrum von Berlin-Hoppegarten, wo er sich über Winter erholen sollte. Keiner kannte Overdose so gut wie Ribarski – sobald er in seiner Nähe war, richtete Overdose ein Ohr in seine Richtung. Stimmte etwas nicht mit ihm, legte er seinen Kopf auf Ribarskis Schulter. "Wir müssen warten, bis Overdose uns ein Zeichen gibt", diktierte Ribarski in die Blöcke der Journalisten. Der Hengst habe viele Schmerzen durchgemacht. "Das Problem ist nicht der physische, sondern der seelische Zustand, den man erarbeiten muss."

Overdose müsse man bitten, nicht zwingen, sagte Ribarski. Doch als das Frühjahr anbrach, wurde Mikoczy immer ungeduldiger. Bei einem Schneider hatte er schon den Anzug für die Rennen in Royal Ascot in Auftrag gegeben, aber sobald er Starttermine vorschlug, wiegelte Ribarski ab. Der Besitzer drängte, der Trainer bremste. Immer wieder stritten sich die beiden, und im Mai 2010 brachte Mikoczy Overdose schließlich zurück nach Ungarn, in die Obhut eines alten Freundes.

Ribarski sei unberechenbar geworden, sagt Mikoczy. Mikoczy sei seiner Eitelkeit erlegen, sagt Ribarski. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.

Wenige Monate später, im August 2010, saß Sandor Ribarski, der ehemalige Trainer, in seinem Wohnzimmer in Alag und schaltete den Fernseher ein. Das große Comeback von Overdose wurde gerade übertragen, das wichtigste Sprintrennen Deutschlands. Eineinhalb Jahre lang hatte die Rennwelt darauf gewartet, doch als die Pferde in die Startboxen einrückten, bockte Overdose. Immer wieder warf er seinen Jockey ab, es schien, als wolle er sich hinschmeißen. Es vergingen zehn Minuten, bis sie Overdose in sein Abteil gezwungen hatten. Aber als die Pferde auf die Zielgerade einbogen, wurde es auf der Tribüne beklemmend still: Jeder sah, wie der Jockey Overdose verzweifelt anschieben musste. Völlig übermüdet wurde er nach hinten durchgereicht, als Siebter lief er über die Ziellinie.

Overdose hatte verloren. Das erste Mal in seinem Leben. Es war das, was Ribarski um jeden Preis verhindern wollte. Er hatte recht behalten, aber er konnte nicht triumphieren.

Es war an einem Herbsttag in Alag, als Zoltan Mikoczy sein Pferd um Verzeihung bat. Nach der Niederlage hatte er zunächst allen anderen die Schuld gegeben – den Starthelfern, dem Jockey, doch jetzt sagt er: "Ich hätte auf ihn hören sollen. Er war noch nicht so weit."

Einen Monat lang hatte Overdose in seiner Box gegen die Wand gestarrt, den Menschen sein Hinterteil zugewandt und jeden gebissen, der ihm nahekam. "Wir haben ihn gedemütigt", sagt Mikoczy leise. An jenem Tag im Herbst schwor er allen Rennplänen ab und ließ sein Pferd hinaus auf die Koppel. Overdose sprang herum wie ein Fohlen und wälzte sich im Dreck. Wochenlang ließen sie ihn die Freiheit genießen, und mit jedem Tag wurden seine Augen klarer.

Im Frühjahr 2011, als die große Linde vor seinem Stall bereits ausgetrieben hat, kommt Overdose morgens von der Bahn, und sein Fell leuchtet. 440 Kilogramm bringt er auf die Waage, die überflüssigen Polster hat er verloren. Overdose ist jetzt sechs Jahre alt, mit sieben hat ein Rennpferd seinen Zenit meist überschritten. Die kommende Saison wird wohl seine letzte Chance sein – aber ist er wieder der Alte?

Fans ersteigern Overdose’ Hufeisen für 300 Euro auf eBay

Mikoczy verbringt nun jede freie Minute im Stall. Er könnte Overdose in die Zucht nehmen, das Risiko meiden. Mit jeder Saison drängen hungrige Talente nach, aber Mikoczy will nicht, dass Overdose so geht: ohne bewiesen zu haben, dass er die Besten schlagen kann.

 

Als Overdose vor wenigen Wochen Geburtstag hatte, fischte Mikoczy kübelweise Briefe aus der Post, Glückwünsche und selbst gemalte Bilder. Immer noch ersteigern die Menschen für 300 Euro seine Hufeisen auf eBay. Und immer noch stellen Fans unscharfe Schnappschüsse ins Internet und diskutieren seine Genesung. Seit sechs Monaten trainiere Overdose regelmäßig, sagt Mikoczy, und er habe wieder Freude daran gefunden. Aber stimmt das auch? Oder hat Mikoczy den richtigen Zeitpunkt verpasst loszulassen?

Manchmal begegnen er und Ribarski sich jetzt an den Stallungen, der verletzte Stolz lässt beide Männer schweigen. Den Fernsehsendern erteilte Mikoczy Stallverbot, und wenn Journalisten anrufen, lässt er sich verleugnen. Er, der nie einer Kamera aus dem Weg ging, ist vorsichtig geworden. Der Rummel um ein erledigtes Pferd und seinen geltungssüchtigen Besitzer nervt die Menschen in Alag. Selbst die Stallburschen tuscheln: Das wird nichts mehr. Was Overdose erlebt habe, könne ein Pferd brechen.

Am Nachmittag des 17. April steigt die Spannung auf der Rennbahn in Berlin-Hoppegarten, als die Pferde für das Hauptrennen auf die Bahn geführt werden. Acht Herausforderer wollen den gealterten Champ schlagen und damit Ruhm erlangen: die antrittsstarke Stute Fenella Rose, die nur 53 Kilo trägt und deren Trainer sich mit dieser günstigen Marke eine Chance ausrechnet; der Schwede Always Winner, der in Buenos Aires die 1000 Meter einmal in 55 Sekunden lief; der Wallach Sapphire, der letztes Jahr in Paris siegte, vier Außenseiter lauern, und da ist Shot to Nothing, der Bahnspezialist, der zuletzt die Hoppegartener Sprintserie gewann.

Es solle ein Aufbaurennen sein für Overdose, hatte Zoltan Mikoczy gesagt, danach werde er in Royal Ascot starten, aber ein wenig klang es, als spreche er sich selbst Mut zu.

Andreas Suborics, der Jockey, klopft beruhigend Overdose’ Hals, als die Pferde in die Startboxen einrücken. Der Jockey weiß, er soll es so machen wie früher: Overdose’ schnellen Start ausnutzen, nach vorn ziehen und ihm einen Platz an den Außenrails sichern, Overdose nach 300 Metern eine Pause gönnen und ihm dann die Zügel freigeben.

Der Tierarzt hat vorhin ein letztes Mal Overdose’ Hufe geprüft, Zoltan Mikoczy hat sich damit abgelenkt, seine 20-köpfige Entourage zu unterhalten. Und als alles noch ruhig war, sprach ein englischer Pater hoch oben auf der Tribüne ein Gebet in Richtung von Overdose’ Stall: "Heilige Maria, Mutter Gottes", und in seinem Messwein spiegelte sich die Steigung der noch unschuldigen Geraden. Berlin ist nicht Royal Ascot, die 5000 Euro Siegprämie würden nicht einmal Mikoczys Ausgaben decken, und doch hängt alles von diesem Rennen ab.

"Wir werden erfahren, ob sein Herz noch das alte ist", hatte Mikoczy gesagt. Das Herz kann man im Training nicht auf die Probe stellen.

Es ist 16.48 Uhr, als die Startglocke ertönt. Overdose, der eine ungünstige Startbox in der Mitte erwischt hat, ist schnell auf den Beinen, doch außen galoppiert der amerikanische Hengst Xi gleichauf, innen hält sich Fenella Rose an seiner Seite. Overdose galoppiert nicht rund, er wechselt seine Beine. Die Pferde passieren die Senke, als Suborics zu spüren glaubt, dass Overdose endlich seinen Rhythmus findet, 700 Meter noch, und vor ihnen liegt die lang gezogene Steigung. Overdose zieht an die Spitze, Suborics lenkt ihn nach außen, er jagt jetzt dicht am Zaun entlang, und als er die Höhe der Zuschauertribüne erreicht, löst sich ein Schrei aus tausend Kehlen: Overdose explodiert. Einen um den anderen Meter zieht er dem Feld davon, und als Suborics sich umschaut, sieht er die Gegner kleiner und kleiner werden. Hinter ihm kämpfen Sapphire und Shot to Nothing um den zweiten Platz, da wirft Suborics schon Kusshände in die tobende Menge. Ein paar Galoppsprünge später ist Overdose im Ziel.

Overdose habe soeben den Bahnrekord um drei Sekunden unterboten, verkündet der Rennkommentator mit zitternder Stimme. Die Zuschauer erheben sich von ihren Sitzen. Und in Alag bei Budapest sitzt ein kleiner Mann vor seinem Fernseher und wischt sich die Augen.