DIE ZEIT: Am 6. Mai findet die zweite Bologna-Konferenz statt. Deren erste Auflage bezeichneten Studentenvertreter als eine reine Show-Veranstaltung. Erleben wir nun die Schavan-Show Teil zwei?

Annette Schavan: Wer eine große Reform beschließt, muss kontinuierlich über die Umsetzung sprechen. Dafür ist die nationale Bologna-Konferenz da. Die Themen vom letzten Jahr haben wir bearbeitet, und die Verbesserungen sind augenscheinlich.

ZEIT: Nennen Sie uns ein Problem aus dem vergangenen Jahr, das gelöst worden ist!

Schavan: Das Hauptthema der letzten Konferenz war der Zustand vieler Studiengänge: zu viele Prüfungen, zu viel Stoff, zu viel altes Diplom in neuer Bachelor-Verpackung. Da ist an den Hochschulen eine Menge geleistet worden, die Qualität der Programme ist deutlich besser geworden. Wie positiv die Situation ist, zeigen auch die neuen Studien.

ZEIT: Aktuelle Untersuchungen des Hochschul-Informations-Systems, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft weisen erstaunlich gute Ergebnisse auf. Aber ist das nicht alles pünktlich gelieferte Schönfärberei zum Bachelor-Studium?

Schavan: Nein. Die Studien wurden von wissenschaftlicher Seite durchgeführt – unabhängig von der Bundesregierung. Aber natürlich freuen die Ergebnisse mich außerordentlich: Die Lust aufs Studieren war nie größer als heute, die internationale Mobilität der Studenten liegt doppelt so hoch wie vor zehn Jahren, die Chancen der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sind gut. Hinzu kommt: Die Studierenden sind zunehmend zufrieden mit ihren Studienbedingungen.

ZEIT: Mal ehrlich – haben Sie nicht gezittert, dass die Zahlen schlecht ausfallen?

Schavan: Keineswegs. Ich bin häufig an Hochschulen zu Gast, deswegen weiß ich, dass dort viel Neues und Gutes entstanden ist. All die Kritik am Bologna-Prozess stellte immer nur einen relativ kleinen Ausschnitt einer viel differenzierteren Wirklichkeit dar.