Jeder kennt das Phänomen, dass man nach vielen Jahren eine Bekannte wiedertrifft, aber sich partout nicht an ihren Namen erinnern kann. Namen, Daten und Fakten – sogenanntes deklaratives Wissen – vergessen wir leider allzu schnell. Bewegungen, die wir eingeübt haben, bleiben hingegen viel länger im Gedächtnis haften.

Und die Gedächtnisforschung hat sich lange nur mit den deklarativen Erinnerungen beschäftigt. Das hat damit zu tun, dass die andere Sorte – das sogenannte prozedurale Wissen – unserem Bewusstsein nicht direkt zugänglich ist. Jemand, der zwanzig Jahre nicht auf einem Fahrrad gesessen hat, kann auf die Frage "Kannst du Fahrrad fahren?" nur antworten: "Ich habe es einmal gelernt" – ob er es tatsächlich noch beherrscht, kann indes nur der konkrete Versuch zeigen.

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Beide Arten von Wissen gelangen beim Lernen zunächst ins Kurzzeitgedächtnis und sind dort sehr vom Vergessen bedroht. Erst im Langzeitgedächtnis verfestigen sie sich – beim prozeduralen Gedächtnis dauert das ein paar Stunden. Bewegungsabläufe sind dauerhaft gespeichert, wenn man über sie nicht mehr nachdenken muss und nebenher andere Aufgaben erledigen kann.

Das prozedurale Wissen ist an einem anderen Ort im Kopf lokalisiert als das deklarative und ist dadurch erheblich besser geschützt vor Hirnschäden. Besonders gut behält man repetitive motorische Tätigkeiten wie das Radfahren. Komplexere Bewegungen dagegen kann man durchaus verlernen – oder kennen Sie noch alle Schritte aus der Tanzstunde?

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