DIE ZEIT: Herr Döring, Herr Vogel, Herr Kober, wir sprechen mit Ihnen, weil wir etwas über die liberale Generation nach Guido Westerwelle erfahren wollen. Herr Kober, wie kommen Sie als Theologe auf die exotische Idee, dass Sie in der FDP besonders gut aufgehoben sind?

Pascal Kober: Verantwortung für sich und seine Umgebung zu übernehmen, seinen Nächsten, ist ein sehr christliches und auch liberales Thema. Der Problemlösungskraft großer Institutionen traue ich nicht. Dass die FDP so kurz nach der Wahl ihrerseits seelsorgerischen Beistand brauchen würde , hatte ich mir allerdings nicht ausgerechnet...

Johannes Vogel: Aber jetzt steht er uns jeden Tag zur Verfügung!

DIE ZEIT: Herr Vogel, Sie wollen starke Gewerkschaften, branchenbezogene Mindestlöhne und mehr Staat in der Bildungspolitik. Sind Sie sicher, dass Sie ein Liberaler sind?

Johannes Vogel: Ganz sicher. Denn für das Lebensglück ist eine materielle Absicherung unerlässlich, aber die Freiheit entscheidend. Dem Liberalismus geht es um die Entfaltungschancen jedes Einzelnen.

DIE ZEIT: Herr Döring, Sie warnen vor dem Despotismus des Staates. Ist Kollege Vogel ein Staatsfreund?

Patrick Döring: Überhaupt nicht. Ich glaube aber daran, dass starke Tarifpartner gerechte Löhne festlegen – und nicht der Abgeordnete Vogel und erst recht nicht die Frau Bundeskanzlerin. Offensichtlich haben die Grünen und die Sozialdemokraten den Glauben an die Tarifautonomie aufgegeben.

Johannes Vogel: Und wir nicht! Deshalb bin ich für starke Gewerkschaften und gegen Lohnfindung der Politik.

DIE ZEIT: Wo sehen Sie in Deutschland einen sanften Despotismus des Staates?

Patrick Döring: Mein Lieblingsthema ist die Baumschutzsatzung, die vorschreibt, dass man im eigenen Garten nur heimische Gehölze anpflanzen darf. So etwas lassen sich die Deutschen leider gefallen. Dieser Unterwerfungscharakter tut mir innerlich weh.

Pascal Kober: Mir gefällt der Begriff des Despotismus nicht. Aber richtig ist: Der Staat maßt sich an, das Leben der Menschen in einer Art und Weise zu gängeln, die zu weit geht. Wenn geregelt ist, ob eine Schaufensterscheibe mit Aufklebern beklebt werden darf, kommt man schnell auf die Frage, wo denn die Staatsverschuldung von 1,7 Billionen Euro herkommt. Auch daher, dass die Überregulierung überprüft und sanktioniert werden muss. Dieses Geld fehlt gesellschaftlich – ich bin Sozialpolitiker mit heißem Herzen! – an anderer Stelle.

Johannes Vogel: Wenn der Staat die Wünsche des Einzelnen steuert, ist Vorsicht angesagt, übrigens auch in der Sozialpolitik. Man muss im Einzelfall schauen: Wo ist Staatshandeln der Freiheit des Einzelnen dienlich?