Ganz anders sieht es in Passau heute aus. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking, die auch im neuen ZEIT Studienführer stehen , zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe, wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt; weitere folgten. Derzeit wird ein neues "crossmediales Medienzentrum" errichtet. "Wir haben versucht, die Ausbildung praktischer zu strukturieren, ohne dass die Theorie darunter leidet. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Studiums außerdem die Möglichkeit, sich zu spezialisieren", sagt Ralf Hohlfeld, der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium "Studiensituation insgesamt", das auf Einschätzungen von Studenten beruht, liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe.

Wer Kommunikations- und Medienwissenschaften studieren will, sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. "Man sollte auch im Blick haben, dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können", sagt Vinzenz Hediger, Film- und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund, während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund, bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio.

So ist es auch an der Uni Siegen, wo Carina Johannsen studiert. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien- und Kommunikationswissenschaften allerdings selten, zu weit ist die thematische Breite . So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. "Es ist toll, in wie viele Fächer wir Einblicke haben", sagt sie. "Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse." In guten Tagen fühlt sich Johannsen, als könne sie alles, oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl, sie könne nichts wirklich. Aber das geht meist schnell vorüber. "Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. Ich sehe jeden Tag, dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite, die ich mir vorstellen kann", sagt Johannsen.

Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach, wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. "Wenn ich eine Schreibblockade habe, kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen", sagt sie und lacht. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium.