Sein 80. Geburtstag ging in die Geschichtsbücher ein. Unzählige Menschen, alte wie junge, schrieben ihm Briefe und Postkarten. Ein landesweiter Schreibwaren-Shop hatte die Aktion initiiert und in allen Filialen extra Briefkästen aufgestellt. Und auch aus einem anderen Grund sollte der Ehrentag ihm unvergesslich bleiben: Er heiratete zum dritten Mal. Zugegeben, ein nicht ganz taufrischer Bräutigam stand da an der Seite der 28 Jahre Jüngeren, doch sein Lächeln machte den Altersunterschied locker wett. So fit und strahlend wirkte er, dass alle sicher waren: Dieser späten Liebe würden noch viele gemeinsame Jahre vergönnt sein.

In der Tat haben er und seine Frau längst seinen nächsten runden Geburtstag feiern können, und wieder war es ein Mega-Event. Wie schon häufig zog es ihn ins Dorf seiner Kindheit. Die ländlichen Wurzeln hat er nie vergessen: "Hier leben viele Menschen in Armut, und wer arm ist, lebt meistens nicht lang. Gerade deswegen fühle ich mich so geehrt, dass so viele Menschen den Geburtstag eines alten Pensionärs mitfeiern wollen..." Tausenden Kindern spendierte er ein Stück Kuchen, fünfhundert Gäste versammelten sich zum Lunch. Und wieder einmal staunte die Welt über ihn und darüber, was so alles in ein einziges Leben passt.

Viehhirte war er gewesen, begabter Schüler und Jura-Student, Boxer und schließlich Anwalt, in einer Kanzlei mit dem besten Freund als Partner. Und dazu Kämpfer in eigener Sache, die dann zur Sache aller wurde. Gleich mehrere Filme haben das erzählt, und seine Autobiografie war kurz nach Erscheinen vergriffen. Sogar den Helden einer Comicreihe gibt er ab, für junge Leute, die sonst nie lesen. Denn die Jungen liegen ihm seit jeher am Herzen, eines seiner Lebensziele: Alle sollen die gleiche Chance auf Bildung haben.

Sein nahezu biblisches Alter ist übrigens auch deshalb bemerkenswert, weil die statistische Lebenserwartung seiner Landsleute bei 43 Jahren liegt. Wo so früh gestorben wird, herrschen Armut, Gewalt und tödliche Krankheiten, auch einer seiner Söhne starb an einer Infektion. Seitdem wird der verwaiste Vater nicht müde, auf das ungelöste Problem und die Folgen hinzuweisen. Zwei von ihm gegründete Stiftungen unterstützen seit Jahren betroffene Kinder.

"Glaubte ich an den Eingriff des Göttlichen ins Irdische, dann wäre er dessen Personifizierung", lobte ihn ein Literaturnobelpreisträger. Vereinzelt halten kritische Stimmen dagegen, dass er einigen Despoten gegenüber zu versöhnlich gewesen sei. Doch das kratzte nie an seinem Image. Heute meldet er sich freilich kaum noch zu Wort. Rund 10.000 Tage seines Lebens opferte er sein Familienleben fürs große Ziel, verbrachte die seltenen freien Stunden einsam über Büchern oder in einem Gärtchen. Wer mag ihm da verübeln, dass er jetzt nur noch seine Lieben um sich schart und die Welt außen vor bleibt – wer ist’s?

Lösung aus Nr. 19:
"Backin" hieß das Treibmittel für den Teig der deutschen Hausfrau und den Erfolg des Dr. August Oetker (1862 bis 1918). Im niedersächsischen Obernkirchen als ältester Sohn eines Bäckermeisters geboren, absolvierte er eine Lehre als Apotheker. Nach einem Pharmaziestudium wurde er 1888 in Botanik promoviert. Anfang 1891 übernahm er die Aschoffsche Apotheke in Bielefeld. Sein Backpulver, wohl nach einer Rezeptur des in Baltimore im Pharmageschäft erfolgreichen Großonkels Louis Dohme, kam bereits 1891 auf den Markt. Dank genialer Werbung und erfolgreichen Marketings durch Rezeptbücher und Backkurse wurden die kleinen gelben Tüten zu Ikonen der modernen Haushaltsführung. Sein Sohn Rudolf fiel 1916 bei Verdun