Neben einer unsäglichen Boulevardpresse kann sich England auch an Qualitätszeitungen mit täglicher (!) Schachspalte erfreuen. Natürlich werde ich nicht dem Klageseufzer – schließlich bin ich Deutscher und habe das Jammern von der Pike auf gelernt – widerstehen: "Und du, mein Deutschland, was ist mit dir?!"

Nun ja, vielleicht ist jenseits des Kanals ebenfalls nicht alles eitel Wonne, denn auch dort verzichten etliche Großmeister, wie Michael Adams im Daily Telegraph berichtet, mehr nolens als volens auf das unsichere Brot des Schachprofis und suchen sich stattdessen einen Beruf, mit dem eine Familie "anständig" zu ernähren ist. Da kommt mir in den Sinn, wie Viktor Kortschnoi, der große Mann des Schachs, der schachlebendig wie eh und je gerade seinen 80.Geburtstag feierte, bedauerte, dass zwei seiner besten Schüler, der Franzose Joel Lautier und der Niederländer Jeroen Piket, das Profischach aufgaben: "Habe ich sie nicht genügend begeistert?"

Doch zurück nach England. Dort schlagen zur Freude von Adams einige auch den umgekehrten Weg ein, verlassen die schillernde, öde Bankenszene und nehmen wieder das Vagabundenleben eines Schachprofis auf. Der 26-jährige Luke McShane auf Siebenmeilenstiefeln schnurstracks zur Weltspitze, der etliche Jahre ältere Tony Kosten, überbordend an Ideen und Kombinationen, wohl vor allem zur eigenen Befriedigung. Wie zwang er als Weißer zum Abschluss einer langen Kombination den schwarzen König des Ungarn Ivan Farago ins weiße Lager und setzte ihn in vier Zügen matt?

Lösung aus Nr. 19:
Im Vierdamenendspiel hatte die schwarze Dame f7 dem weißen König Schach geboten. Musste Weiß sich jetzt in den Damentausch fügen oder konnte er sogar mattsetzen? Nach dem Gegenschach 1.Df5+! wurde Schwarz matt, weil die schwarze Dame f7 die schachbietende weiße Dame f5 wegen Fesselung durch die andere weiße Dame e8 nicht schlagen durfte. Das Ende war: 1...Kh6 2.Dh8+ Dh7 3.Dh8xh7 matt