Karriere ist wie Autofahren: Man kommt nicht immer vorwärts. Mal steckt man im Beförderungsstau. Dann stottert der Motor, weil das Schmieröl "Beziehung" fehlt . Oder man landet im Graben, weil man den falschen Karriereweg eingeschlagen hat.

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Wie praktisch, dass es auch einen Karriere-ADAC gibt, einen rettenden Engel, der bei Berufspannen einschwebt: den Coach . Er soll die Sache reparieren. Er hat sicher etwas Passendes im Werkzeugkasten und kennt die richtigen Kniffe, um die Karriere auf Hochtouren zu bringen.

Oder auch nicht. Denn wer verspricht, Ihre Probleme zu lösen, ist kein Coach, sondern ein Scharlatan . Zwar stimmt es, dass die häufigste Klientenfrage im Coaching lautet: "Was würden Sie an meiner Stelle tun?" Aber ein seriöser Coach wird den Teufel tun, mit eigenen Weisheiten zu antworten – sonst verhielte er sich töricht wie jener Vogel, der dem in die Grube gestürzten Fuchs zuzwitschert: "An deiner Stelle würde ich fliegen!"

Ein Coach ist ein Experte fürs Coachen; der Experte für Ihr Leben sind Sie selbst! Ein guter Berater wird Sie, wie Galileo Galilei sagt, nicht belehren, sondern Ihnen nur helfen, die Lösungen in sich selbst zu entdecken. Indem er Ihnen die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel: Auf einer Skala von eins (für gering) bis zehn (für hoch) – wie sieht Ihre Zufriedenheit im Beruf aus?

In welchen Momenten ist sie höher als sonst? Was ist dann anders? Wie ließen sich diese Momente ausbauen? Was würden Sie anpacken, wenn Sie nicht scheitern könnten? Welcher Mensch ist Ihr größter Fan – was würde er mir über Ihre Stärken erzählen? Nehmen wir an, Sie würden Ihre inneren Widerstände als nützliche Helferlein sehen – welche positive Absicht könnten sie verfolgen?

Solche Fragen öffnen Türen im Kopf, durch die neue Erkenntnisse aufsteigen können. Ein Coach hilft Ihnen, Ihr Leben aus der Distanz zu betrachten, neue Verhaltensweisen zu probieren und aus Ihren Träumen konkrete Handlungen abzuleiten.

Er dient als Sparringspartner , doch geizt er mit "Expertentipps" – die gibt er fast nur in Sachfragen, zum Beispiel zu Ihrem Lebenslauf.

Statt auf den rettenden Engel zu warten, sollten Sie sich an Menschen halten, die Ihnen helfen, Ihre eigenen Flügel zu nutzen. Das müssen nicht immer Profis sein; so mancher kluge Freund stellt gerade deshalb die richtigen Fragen, weil er sich nicht für einen "Experten" hält. In jedem Fall gilt: Lösungen, die aus Ihnen selbst kommen, tragen Sie weiter als die heiße Luft fremder Ratschläge.