Heute Grímsvötn, damals Eyjafjallajökull: Als vor vierzehn Monaten der isländische Vulkan eine Aschewolke in den Himmel schleuderte, brach in Europa das Chaos aus. In Deutschland blieben tagelang sämtliche Flughäfen geschlossen – zur Sicherheit. Heute weiß man, dass die Unsicherheit vor allem im Unwissen darüber lag, wie verdreckt der Himmel über Europa war. Messungen waren zu ungenau, Vorschriften fehlten. Tatsächlich hat man über Deutschland die Aschemenge nur sporadisch gemessen.

Nachweislich bestand über Island Gefahr. Ein isländisch-dänisches Forscherteam hat die dortigen Aschepartikel untersucht. Wie sie jetzt im Wissenschaftsmagazin PNAS berichteten, waren die Teilchen hart und scharfkantig genug, um beim Aufschlag "ein Pilotenfenster undurchsichtig werden zu lassen". Als die Wolke jedoch auf das europäische Festland zutrieb, sei die Asche vermutlich zu verdünnt gewesen, um Flugverkehr oder Gesundheit gefährden zu können, so lautete die Analyse.

Als nun der Vulkan Grímsvötn zu spucken begann, reagierten die Behörden gelassener als vor Jahresfrist. Zwar haben sich die zuständigen Ministerien noch immer nicht auf EU-weite Grenzwerte verständigt und diese deshalb zur nationalen Angelegenheit erklärt. Aber die europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol fühlt sich immerhin besser gewappnet – weil besser informiert. Ganz gezielt wurden die ersten Flüge abgesagt, über Spitzbergen.

Auch in Deutschland funktioniert das Warnsystem verlässlicher. Aufsichtsbehörden, Flugbetreiber und Triebwerkshersteller hatten sich 2010 auf Grenzwerte geeinigt, sodass Bundesverkehrsminister Ramsauer diese am Montag mit einer "Allgemeinverfügung" in Kraft setzen konnte: Enthält ein Kubikmeter Luft zwei Milligramm Asche oder mehr, müssen Flieger grundsätzlich auf dem Boden bleiben. Einzig Flugzeuge mit Kolbenmotoren und Jets, deren Turbinen die Stäube sicher nichts anhaben können, dürfen noch in die Luft gehen (solange die Werte vier Milligramm nicht übersteigen). Diese Ausnahme gilt auch für Rettungsteams, Polizei und Bundeswehr.

Wie aber verhindert man, dass der Luftraum erneut viel zu rigoros gesperrt wird? Das Verkehrsministerium hat dem Deutschen Wetterdienst (DWD) mehr Mittel für die Umrüstung seiner Messgeräte zur Verfügung gestellt. Bald misst man an 50 Standorten die Lufttrübung. Geändert hat sich auch der Austausch zwischen DWD und Flugsicherung. Letztere reagiert heute schneller und präziser, weil sie (anders als noch vor Jahresfrist) jederzeit die aktuellen Angaben der DWD-Meteorologen abrufen kann. So konnte im Fall des Grímsvötn abgewartet werden. Erst als am Dienstag die Aschewolke direkt auf Deutschland zusteuerte, kündigten die Behörden erste Sperrungen im Luftraum an. Inzwischen hat der Vulkan vorerst aufgehört, Asche zu spucken.