Die Vernehmung im Hochsicherheitsgefängnis Remetinec am nördlichen Stadtrand von Zagreb war sorgfältig vorbereitet. Alle juristischen Formalitäten waren längst ausgehandelt. Zwei Staatsanwälte, ein Kripobeamter und eine Dolmetscherin reisten aus Klagenfurt an, um eine der Schlüsselfiguren in dem größten Bankenskandal der Zweiten Republik, der Affäre um die notverstaatlichte Kärntner Hypo Alpe Adria , in die Zange zu nehmen. Sie erhofften sich eine brisante Aussage, die endlich mehr Licht in das Dunkel des verworrenen Milliardenkarussells bringen sollte, das in einem haarsträubenden Desaster geendet hatte.

Doch die Ermittler aus Österreich bekamen den prominenten Häftling zu Beginn des Vormonates erst gar nicht zu Gesicht. Von Vladimir Zagorec, der seit mehr als zwei Jahren in einer Einzelzelle eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt, weil er während der letzten Balkankriege als oberster Waffeneinkäufer des kroatischen Verteidigungsministeriums in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll, erfuhren sie kein Sterbenswort. Ein schwerer Rückschlag in dem Versuch, die anrüchige Bankenpleite zumindest juristisch zu bereinigen. Denn seit den überraschenden Freisprüchen für den ehemaligen Hypo-Chef Wolfgang Kulterer bei einem ersten Verfahren wegen Untreue im März tritt die Anklagebehörde weitgehend auf der Stelle.

Gegen Vladimir Zagorec, den hochdekorierten Exgeneral, liegen bei der Klagenfurter Staatsanwaltschaft mehrere Anzeigen vor. Der ausgebildete Geometer soll mithilfe einiger Komplizen die Hypo-Gruppe innerhalb von nur drei Jahren um zumindest 120 Millionen Euro geschädigt haben, nachdem er sich klammheimlich in Wien als Immobilienmakler niedergelassen hatte. Bei seinen dunklen Machenschaften soll der ehemalige Waffenschieber und Hypo-Großkunde immer nach ein und demselben Muster vorgegangen sein.

So wie etwa im Fall der Antao AG. Die Schweizer Briefkastenfirma, die einer liechtensteinischen Stiftung gehört, hinter der Zagorec als Eigentümer vermutet wird, beantragte am 20. Oktober 2004 bei der Klagenfurter Hypo einen Kredit in Höhe von 5,6 Millionen Euro. Er war angeblich dazu gedacht, eine gewisse Inter-Construct d.o.o. zu erwerben. Es hieß, die in Zagreb ansässige Projektgesellschaft, die sich damals ebenfalls im Besitz einer liechtensteinischen Stiftung von Zagorec befand, verfüge über 38.000 Quadratmeter Bauland in bester Lage auf der Halbinsel Istrien. Dort wollte man eine Apartmentanlage oder ein Hotel verwirklichen. Laut Kreditvertrag sollten vor Auszahlung des Kredites der Hypo Pfandrechte auf die Liegenschaften und auf Gesellschaftsanteile eingeräumt werden. Außerdem, so hieß es schon im Finanzierungsantrag, sei vereinbart, dass sich die Hypo Consultants, eine Tochter der Bank, die als Endlager für dubiose Geschäftsfälle diente, an der kroatischen Inter-Construct beteiligen werde.

Die Prüfer resignierten angesichts des undurchdringlichen Firmendickichts

Die damaligen Hypo-Vorstände Günter Striedinger, Wolfgang Kulterer und Thomas Morgl müssen von der Idee begeistert gewesen sein. Jedenfalls wurde bereits fünf Tage nach Einlangen des Antrages der Kredit bewilligt. Auf die vereinbarten Sicherheiten wurde dabei großzügig verzichtet. Nur weitere vier Tage später kaufte sich Zagorec dann um umgerechnet 8,6 Millionen Schweizer Franken die eigene Firma, die Inter-Construct, ab, neuerlich mit einem von der Hypo großzügig gewährten Darlehen. Das interne Finanzkarussell, das, wie man inzwischen weiß, auch in anderen Fällen höchst erfolgreich rotierte, sei, so beteuern heute die Hypo-Bosse jener Goldgräberzeit, nie jemandem aufgefallen.

Alle verdächtigen Kreditfälle, die zwischen Zagorec und der Kärntner Skandalbank abgeschlossen wurden, haben eines gemeinsam: In sämtlichen Verträgen, die mit ihrer Abwicklung zusammenhängen, scheinen fast immer nur zwei Personen auf – der liechtensteinische Rechtsanwalt Gerold Hoop , der stets als Schatzmeister von Zagorec fungierte und in den diversen Kreditakten oft gleichzeitig in drei verschiedenen Funktionen (etwa als Käufer, Verkäufer und Bürge) in Erscheinung tritt, während aufseiten der Hypo Alpe Adria fast ausschließlich Vorstand Günter Striedinger seine verschlungene Signatur unter die Dokumente setzte.