In einigen Läden der Telekom kann man seit Anfang der Woche intelligente Stromzähler von E.on kaufen. Die Dinger sollen beim Stromsparen helfen. EnergieNavis heißen sie und erfassen den Stromverbrauch im Haus – theoretisch sogar den einzelner Elektrogeräte –, bevor sie die jeweils aktuellen Daten aufs Handy senden. Damit jeder Kunde künftig mit einem Blick aufs Display seines Smartphones erkennen kann, wie seine private Strombilanz aussieht. "Smart Metering" heißt das. Zunächst würden die neuen Zähler in 50 Läden in Niedersachsen und Bayern angeboten, teilte die Telekom am Montag mit.

Man sehe sich "als Partner der Energiewirtschaft bei der Energiewende ", sagte Gabriele Riedmann de Trinidad, die bei der Telekom das Geschäftsfeld Energie leitet. Darum geht es: Wenn die Deutschen künftig weniger Strom aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken beziehen sollen und stattdessen mehr aus Wasser-, Wind und Solarkraftwerken, müssen sich die Netze ändern. Smart Meter gehören dazu.

Derzeit tobt die politische Debatte über neue Fernleitungen und deren Kosten. Doch mit neuen Leitungen allein ist es nicht getan, alternative Energien sind unbeständig: Bei starkem Wind etwa gibt es viel Strom, bei Flaute keinen. Um die Schwankungen abzufedern, muss auch der Verbrauch flexibler gehandhabt werden. Das Mittel dazu ist der Strompreis, der sich künftig wohl mehrmals am Tag ändern wird. Dort setzt die Idee des Smart Metering an: Wenn Kunden ihren Verbrauch und gegebenenfalls die jeweiligen Strompreise kennen, können sie ihr Verhalten ändern und die Netze in Spitzenzeiten entlasten. In vielen Ländern werden Smart Meter politisch gefördert. So proklamierte etwa die britische Regierung vor zwei Jahren, bis 2020 sollten sämtliche Haushalte mit intelligenten Strom- und Gaszählern ausgestattet sein.

Die Telekom hat viel Erfahrung darin, Netze zu betreiben, durch die mal mehr, mal weniger geleitet wird und die überdies von einer Regulierungsbehörde beaufsichtigt werden. Insofern unterscheiden sich Stromnetze nicht so sehr von Mobilfunk- oder festen Telefonnetzen. Dass die Telekom ihr Wissen künftig auch außerhalb der eigenen Netze anbieten wolle, hatte Konzernchef René Obermann schon im Frühling vergangenen Jahres angekündigt. Bis 2015 soll die Telekom mit derartigen Dienstleistungen eine Milliarde Euro pro Jahr umsetzen. Vor wenigen Wochen wurde Obermann von E.on sogar zum Aufsichtsratsmitglied berufen, was die jetzige Kooperation erleichtert haben dürfte.

Was aber bringt das aktuelle Angebot von Telekom und E.on dem Otto Normalstromkunden? Zunächst mal lässt sich "viertelstundengenau sehen, wie viel Strom Sie aktuell verbrauchen", teilt E.on mit. Auf dem Smartphone trudeln also nicht nur E-Mails, Restauranttipps und Facebook-Postings ein, sondern auch Stromdaten. Das EnergieNavi ist kostenlos, allerdings an einen Zweijahresvertrag mit E.on gekoppelt: Während dieser Zeitspanne gibt es Strom aus Wasserkraft, der tagsüber teurer ist als nachts. "So können Sie, wenn Sie zum Beispiel den Geschirrspüler erst nach 21 Uhr einschalten, durch die Spartarifzeit gezielt Kosten sparen."

Nachts einschalten und Geld sparen – klingt logisch, bringt aber etliche Probleme mit sich. Elektrogeräte in normalen Haushalten lassen sich oft gar nicht so flexibel einsetzen, wie es die Smart-Metering-Lobbyisten gerne suggerieren. Die Kaffeemaschine läuft morgens, egal, wie teuer der Strom ist. Kühlschrank und Gefriertruhe laufen rund um die Uhr, weil sonst die Fischstäbchen auftauen. Gekocht wird mittags und abends, nicht spät in der Nacht. Lampen hingegen leuchten nachts, weil es dunkel und nicht weil es billig ist. Und Unterhaltungselektronik gönnen sich die Menschen vor allem in der schmalen Zeitspanne, die ihnen zwischen Arbeit und Nachtruhe verbleibt.