Es waren einmal drei Brüder, die säten rund 20 Millionen Dollar. Dann schufteten sie einen Sommer lang und einen Winter und dann noch einen Sommer. Nun ernten sie, alles sieht danach aus, weit mehr als eine Milliarde.

Die Brüder sind keine Chinesen, keine Amerikaner und keine Russen. Sie leben in München und heißen Oliver, Marc und Alexander. Nachname Samwer.

Die Samwers sind Deutschlands erfolgreichste Internetunternehmer, aber derzeit leider nicht zu sprechen. Sie warten auf den Tag der Abrechnung, den Tag, an dem der amerikanische Internetkonzern Groupon an die Börse geht . Dann werden sie als Familie in den kleinen Kreis der Milliardäre aufsteigen. Es ist nur eine Frage weniger Wochen.

Wie es dazu gekommen ist? Das lässt sich nur in Umrissen rekonstruieren. Wenig ist von der Firma selbst zu erfahren, die die drei Brüder in so kurzer Zeit so reich gemacht hat. Konkurrenten erzählen einige Details, andere verrät ein Bericht über das Unternehmen Groupon, den die amerikanische Börsenaufsicht veröffentlicht hat .

Was die Firma macht, ist dagegen kein Geheimnis. Groupon verkauft Rabattgutscheine im Internet, und in Amerika hat sich die Schnäppchenjagd so sehr ausgebreitet, dass man ein eigenes Verb dafür gefunden hat: grouponing , in Anlehnung an das hergebrachte Sammeln von Rabattmarken, das couponing . Das Unternehmen hat einen Nerv getroffen und wächst schneller als alle Internet-Start-ups vor ihm. Schneller noch als Google. Schneller auch als Facebook.

Grundlage sind Angebote wie diese: 50 Prozent Rabatt auf eine Haarverlängerung mit Echthaar beim Friseur um die Ecke . 60 Prozent Rabatt auf ein Doppelzimmer in einem luxuriösen Hotel. Ein Gutschein im Wert von 100 Euro zum Preis von 10 Euro, einzulösen im lokalen Brillengeschäft. "Wir verschicken täglich eine E-Mail mit Angeboten", erklärt der Amerikaner Andrew Mason das Geschäftsmodell. Er hat Groupon gegründet und leitet die Firma von Chicago aus bis heute. "Man hat einen Tag lang Zeit zuzugreifen, dann bekommt man einen Gutschein zugesandt, geht hin und löst ihn ein. So einfach ist das."

Von den 80 Millionen Schnäppchenjägern, die Groupon benutzen, lebt etwa die Hälfte in den USA, aber auch in Deutschland erhalten vier Millionen Menschen die täglichen Rabatt-Nachrichten. 400.000 sind es in Berlin, mehr als 200.000 in Hamburg, und vier von ihnen erzählen ihre Geschichte .

Nahm Groupon im ersten Quartal des vergangenen Jahres gerade mal 42 Millionen Dollar mit dem Verkauf von Gutscheinen ein, sind es in den ersten drei Monaten dieses Jahres erstaunliche 644 Millionen Dollar. Setzt sich dieses Wachstum auch nur ansatzweise fort, könnte das Unternehmen in diesem Jahr schon mehrere Milliarden Dollar Umsatz erreichen.

Ohne die Samwer-Brüder hätte es dieses Wachstum nie gegeben.

Insofern ist Groupon die erste globale Erfolgsgeschichte im Internet, in der Deutsche eine Hauptrolle spielen.

Aber der Reihe nach.