Marion Vieth

Die Friseurmeisterin hat eine Haarverlängerung mit europäischem Echthaar für 199 Euro statt für 432 Euro verkauft. Sie wusste, was sie wollte: viel Aufmerksamkeit, aber nur wenige Gutscheinkäufer. Und ihre Rechnung ist aufgegangen. 200.000 Hamburger Abonnenten des Groupon-Newsletters haben ihr Angebot gesehen, zwölf griffen zu. Die 40-Jährige hatte danach ein bis zwei Neukunden pro Tag in ihren Salons im Eppendorfer Weg und in der Lübecker Straße. Früher waren es deutlich weniger.

Vieths Erfahrung mit Groupon: Die Firma war bis spät abends erreichbar, als sie den Text und die Fotos zu ihrem "Deal" ändern wollte. Allerdings missfiel Vieth die Abrechnung. Auf die 50 Prozent, die Groupon von jedem Gutschein einbehält, schlug die Firma noch die Mehrwertsteuer.

Simon Behrens

Es gibt Tage, da ist Simon Behrens genervt von Groupon und dem Groupon-Newsletter. "Das 15. Angebot zur Haarentfernung brauche ich eher nicht", sagt er. Aber dafür gab es irgendwann einen Rabattgutschein für den "Motorradführerschein Theorie", und den wollte der 27-Jährige schon immer mal machen. 79 statt 220 Euro – er klickte auf "Kaufen". Die erste Theoriestunde hat er bereits hinter sich.

Und dann war da noch: der Zehnerpack für Coffee to go von einer Kette, da nahm Behrens gleich drei. Die Ballonfahrt, die sich seine Mutter zum Geburtstag gewünscht hatte – Groupon bot just eine Fahrt für zwei zum Preis von einer. Zwei Gutscheine für ein Hemd nach Maß, die Autowäsche bei Aral, Kinogutscheine, einmal in den Kletterwald. Und, und, und.

Daniela Harms

Mittlerweile guckt die 27-Jährige ganz genau hin, bevor sie bei Groupon etwas in den virtuellen Einkaufswagen legt. "Unter den Angeboten ist ja auch Schrott." So bestellte Harms mal ein Zahnbleeching zum Selbermachen für zu Hause. Allerdings nicht für sich, sondern für eine Freundin. "Weil die Schiene zu locker saß, hat die Wasserstofflösung ihre Mundschleimhaut verätzt. Das hätte sie sich besser gespart", sagt Harms. Sie selbst hat sich mithilfe von Groupon auch schon um ihre Zähne gekümmert, kaufte aber lieber eine professionelle Zahnreinigung und ein Bleeching vom Fachmann. Das hat funktioniert.

Ihren ersten Einkauf bei Groupon machte Harms vergangenen Herbst. Der Schuhhändler Zalando verkaufte gerade Gutscheine im Wert von 50 für 15 Euro, und Harms griff zu. "Es hat dann eine Weile gedauert, bis ich für den Gutschein etwas gefunden habe, was ich wirklich wollte", erzählt sie. Am Ende wurde es ein Portemonnaie für 69 Euro.

Erst mal auf den Geschmack gekommen, shoppte Harms weiter: einen Wertgutschein bei einem Online-Möbelhaus ("lange gewartet und nicht so gute Produkte"), einen Wellnesstag mit der Mutter im Luxushotel ("wunderbar"), einen Ikea-Gutschein ("im Nachhinein zu hohe Mindestausgabesumme"). Einen Brunchgutschein verschenkte sie am Ende an die Eltern, weil die möglichen Termine so rar gesät waren. Überhaupt sei zu spüren, dass Groupon bekannter werde, die Überbuchung sei oft ein Manko, zudem würden die guten Angebote rar. "Da könnte sich Groupon mal wieder mehr Mühe geben", kritisiert sie. "Für eine Currywurst brauche ich keinen Gutschein."

Levke Punke

Die Geschäftsführerin des Café Leinpfad in Hamburg ist eine Pionierin und hat dafür bitter bezahlt. Sie bot bei Groupon einen 5-Euro-Gutschein für ein Frühstück an, das regulär das Doppelte kostet. Ihr Deal läuft am 14. Juli 2010. Als Punke an diesem Tag ins Café kommt und den Computer einschaltet, sind bereits 1.500 Frühstücksgutscheine verkauft, gegen Mittag mehr als 3.000, am Abend 6.300. Sie ruft beim Rabatt-Netzwerk an, bittet, fleht fast, den Deal zu schließen, aber die Firma geht nicht darauf ein. Punke ist fassungslos. Kann sie das wirtschaftlich überstehen?

Punke sagt: "Das werde ich nie wieder machen. Einmal kamen sogar Leute zu mir, die hatten 25 Gutscheine gekauft und wollten sie für die Feier ihrer Hochzeit einlösen!"

Eigentlich wollte die Geschäftsführerin mit dieser Werbung ein jüngeres Publikum anlocken. Dann kam der Ansturm. Allein am ersten Wochenendtag nach dem Deal kamen 120 Leute mit Gutscheinen in ihr Café. Punke und ihre Leute verhedderten sich dann auch noch in dem Rabattsystem, das verlangte, jeden Gutschein per Hand von einer Liste abzuhaken. Bloß war die Liste bei Punke eben 50 Seiten lang. Infolgedessen kamen Kunden, die den Fehler bemerkt hatten, einfach zweimal. Punke konnte nichts dagegen tun.

"Fakt ist", sagt die 30-Jährige, "dass mich die Werbeaktion viel mehr kostet als geplant." Seither bemüht sie sich um Schadensbegrenzung. Und Groupon hilft ein wenig dabei. Die Firma hat im Nachhinein alle Gutscheinkäufer noch mal angeschrieben und darauf hingewiesen, dass eine Reservierung erforderlich ist und dass pro Tag nur eine begrenzte Zahl an Gutscheinen angenommen wird.