Nur die Grünen besitzen einen sechsten Sinn für Politik: ein feines Sensorium für jene Probleme, die wirklich unter der Haut brennen. Was könnte ein dringlicheres Gebot der Stunde sein, als Zigarettenautomaten zu verbieten. Jeden einzelnen! Sofort!! Alles Übrige, Budget, Pensionssystem, Bildung, fügt sich anschließend wie von selbst zum Besten. Politik ist nun mal die Kunst der symbolischen Aktion. Als die Automaten mit den zuckrigen Kaugummikugeln aus dem Straßenbild verschwanden, verschwanden mit ihnen zugleich auch alle fettleibigen Kinder. Dieser magische Effekt wird auch diesmal zu beobachten sein. Wo einst Glimmstengelspender mit ihrer teuflischen Versuchung lockten, werden Tausende von Minderjährigen grüne Fähnchen schwenken und reuig einsehen, dass ihre Sucht töricht war.

Statt zur Kippe, werden sie zu einem guten Buch greifen und wieder mehr Obst essen. Verbote sind ohnehin der Weisheit letzter Schluss. Noch fehlt es den Grünen an Mut, den einmal eingeschlagenen Weg auch konsequent weiter zu beschreiten. Hinweg mit sämtlichen Biergärten und Heurigen, welche die Jugend auf den Pfad der Sünde führen. Sollte man nicht die Stadt an sich abschaffen, den urbanen Moloch, der all diesen Versuchungen Unterschlupf bietet? Nicht alles war schlecht im Reich des Pol Pot. Überhaupt das Denken – ist es nicht der Hort allen Irrtums? Und was die Kernkompetenz der Grünen betrifft, wenn irgendwann einmal die Umwelt verboten worden ist, so wären auch mit einem Male alle Umweltsünden beseitigt. Klingt einfach. Und ist es auch.