Man kann sich vorstellen, wie Politiker sich, gern im Sommer, zurufen: "Jetzt mal raus aus dem Klein-Klein! Lasst uns die großen Linien suchen!" Oder, vielleicht etwas leiser: "Lasst uns mal in kleiner Runde besprechen, wie wir die Parteifreunde austricksen können!"

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So oder so ähnlich entstehen die "Kreise" der Parteien, Gruppen von Gleichgesinnten, die auffällig oft nach Orten benannt sind. Von ihnen ist der konservative Seeheimer Kreis der SPD wohl der bedeutsamste (die Partei hat eine auffällige Neigung, Kreise zu bilden). (Um die Karte zu vergrößern, klicken Sie bitte hier)

Andere benannten sich sogar nach einem Ort, an dem sie nur ein Mal waren (wie der Zugspitzkreis) oder noch gar nicht (wie der Sylter Kreis). Sicher hatte mancher Kreisnamenserfinder große Denkschulen im Sinn, die Tübinger Schule, die Frankfurter Schule. Frankfurter Kreis, das klingt eben mehr nach Adorno als nach Ränkeschmiede. Der Frankfurter Kreis, gegründet in den Sechzigern, traf sich später allerdings in Oer-Erkenschwick. Ob die Mitglieder einen Namenswechsel debattierten, ist nicht überliefert.