Nach drei Wochen voller Rätsel und Rückschläge waren sich die Fahnder Ende vergangener Woche einig: Es sind Sprossen , die den lebensgefährlichen Erreger O104 verbreiten. Erleichtert griffen die Deutschen wieder zu Salat, Gurken und Tomaten. Doch wichtige Fragen sind noch gar nicht geklärt. Auch zu Beginn der Woche warteten Seuchenschützer und Lebensmittelkontrolleure mit neuen Nachrichten auf.

Die Kritik wächst . Während die einen meinen, dass die Bakterien-Fahnder diesmal zu schnell vorgeprescht sind und damit einen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben, monieren andere zu langsame Meldewege zwischen den Behörden – und falsche Entscheidungen gleich zu Beginn der Katastrophe.

Tausende Mitarbeiter in zwei Bundesministerien, drei Instituten, etlichen Bundesländern sowie Kreisen und Städten sind mit der Spurensuche nach dem gefährlichen Darmbakterium beschäftigt. Das große Netz der Fahnder hängt mit der dezentralen Struktur der Lebensmittelkontrolle zusammen. Die wurde so organisiert, weil in Deutschland jede Imbissbude und jeder Wochenmarkt überwacht werden muss.

Taugt sie aber auch im Seuchenfall? Und sind die Irrungen und Wirrungen in den vergangenen Wochen eben dieser unübersichtlichen Organisation geschuldet? Mal gerieten Salat und Tomaten in Verdacht, dann vor allem Gurken, jetzt sind es Sprossen und vielleicht doch wieder Salat. Woher stammt der Erreger O104 ? Diese entscheidende Frage blieb bis zum vergangenen Dienstag rätselhaft.

Als beim staatlichen Robert Koch-Institut, kurz RKI, vor knapp einem Monat die ersten Meldungen eingehen, fällt der Verdacht zunächst auf verdorbenes Fleisch und auf Rohmilch. Das waren bislang jene Produkte, die vorzugsweise Bakterien dieser Art verbreiteten. Doch in Gesprächen mit den Patienten rücken Gurken, Salat und Tomaten in den Fokus.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) tritt in Aktion. Seine Aufgabe ist es unter anderem, Verzehrwarnungen auszusprechen. Das Amt empfiehlt am 25. Mai, das verdächtigte Gemüse insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren. So etwas hat es seit Tschernobyl nicht mehr gegeben. Die Suche geht weiter.

Aber weder das RKI, das dem Bundesgesundheitsminister zugeordnet ist, noch das BfR, es untersteht der Bundesverbraucherministerin, sind für die Lebensmittelkontrolle zuständig. Das ist Sache der einzelnen Bundesländer. Die praktische Arbeit erledigen die Landkreise und Kommunen. Sie schicken die Kontrolleure los – und sind auch verpflichtet, die Öffentlichkeit zu alarmieren, falls die Gesundheit der Menschen gefährdet ist. Genau das wird die Verbraucher irritieren.