DIE ZEIT: Ist passives Fondsmanagement langweilig?

Martin Weber: "Management" ist eigentlich das falsche Wort. Wir passiven Fondsanbieter bilden ja nur Indizes ab.

Jens Ehrhardt: Genau, das hat nun wirklich nichts mit Management zu tun.

ZEIT: Herr Ehrhardt, ist es langweilig, einfach nur Indizes nachzubilden? Immerhin sind Sie seit 40 Jahren Fondsmanager...

Ehrhardt: Hm, ja, also – vielleicht. Mir geht es darum, den Index zu schlagen.

Weber: Seien Sie nicht höflich. Ich finde es auch langweilig, was wir machen.

Ehrhardt: Wir wollen nun mal besser sein als der Markt . Aber ehrlich gesagt: Es ist nicht einfach. Immer mehr Leute versuchen dasselbe, die Märkte werden volatiler, weil immer mehr Geld hineinfließt. Und durch die kleinsten Nachrichten passiert viel mehr als früher. Wenn man in den Siebzigern abends in einer Kneipe in Schwabing saß und ein Verkäufer mit der Zeitung von morgen reinkam, mit den aktuellen Kursen, hat die keiner gekauft. Das wäre ein Fauxpas gewesen. Wir saßen tagsüber in unseren Büros und achteten gar nicht darauf, was um uns herum passiert.

ZEIT: Das müssen passive Anleger ohnehin nicht, weil sie nicht auf Marktbewegungen reagieren müssen. Bevorzugen aktive Fondsmanager ab und an auch passive Strategien?

Ehrhardt: Durchaus. Ich bin bescheiden, mir reicht es schon, wenn ich beim Aufschwung dabei bin – und nach Möglichkeit beim Abschwung den Verlust minimiere oder vermeide. Also sind passive Investments während eines Aufschwungs gar nicht schlecht. Ein Beispiel: Viele Fonds haben zwar in den Aufschwungjahren 1998 und 2000 zugelegt, dabei aber schlechter abgeschnitten als ihre Vergleichsindizes. Doch wenn sich Märkte seitwärts entwickeln, entwickeln sich passive Anlagen auch seitwärts. Dann bietet ein aktiv gemanagter Fonds größere Chancen.

Weber: Nur weiß man blöderweise immer erst hinterher, ob sich Märkte aufwärts, seitwärts oder abwärts bewegt haben, ob also eine passive oder eine aktive Strategie besser gewesen wäre. Solange wir nicht in die Zukunft schauen können, ist eine passive Anlagestrategie eindeutig besser.

ZEIT: Erst vor Kurzem hat wieder eine Studie ergeben, dass es auf Zehn-Jahres-Sicht nur jedem vierten Aktienfondsmanager gelang, den Vergleichsindex zu schlagen.

Ehrhardt: Logisch. Der Markt kann nun mal nicht besser sein als der Markt. Zwar stellen die Fonds nicht den gesamten Markt dar, aber einen wichtigen Teil. So muss zwangsläufig ein Teil von ihnen schlechter abschneiden als der Durchschnitt. Zudem wird es immer schwieriger, den Markt vorherzusagen. Früher, in den Siebzigern und Achtzigern, konnte man auf die Notenbankpolitik setzen, noch früher auf die Unternehmensgewinne. Heute sind die Einflussfaktoren und die Reaktion der Märkte auf sie viel komplexer geworden.

Weber: Dabei darf man nicht vergessen: Es muss an der Börse immer jemanden geben, der aus denselben Fakten entgegengesetzte Schlüsse zieht. Nur macht sich der Durchschnittsanleger nicht klar , dass immer jemand gegen ihn handelt. Wenn einer von seinem Bankberater etwas empfohlen bekommt und es kauft, braucht es einen anderen Anleger, dessen Berater zum Verkauf geraten hat.

Ehrhardt: Noch schwieriger als der richtige Trend ist der richtige Zeitpunkt vorherzusehen. Selbst wenn man mit seiner Prognose richtigliegt, hilft das nichts, wenn man den falschen Zeitpunkt erwischt.