War das die IRA? Oder Hamas? Aber wir sind in Berlin an der Spree, am Bundesratufer, 800 Meter vom Innenministerium entfernt, vor uns ein schwarzer Klumpen, der am Abend zuvor ein 30.000 Euro teurer Audi war. Noch Stunden nachdem die Flammen erloschen sind, stinkt es nach verschmortem Kunststoff.

Nacht um Nacht werden in deutschen Großstädten Autos angezündet. In Berlin ging es vor zwei Jahren los, dann kam Hamburg. Auch in Köln, Hannover, Dresden und Rostock hat es schon gebrannt. Wer sind die Täter? Warum wird die Polizei der Sache nicht Herr? Das sind Fragen, die sich stellen. Antworten gibt es kaum. Die Täter verschwinden unerkannt in der Dunkelheit, und auch die Polizei ist inzwischen sehr lichtscheu, wohl aus Hilflosigkeit.

Gut 200 Wagen waren es in der ersten Hälfte dieses Jahres in Hamburg, mehr als 180 in Berlin, in Nordrhein-Westfalen über 340. Im ganzen Jahr 2009 lag die Zahl im gesamten Bundesgebiet noch bei 500 – zentral erfasst werden die Taten von der Polizei allerdings nicht.

Sieben Fälle sind es in Berlin allein in der Nacht auf den 8. Juni 2011, als der Audi am Bundesratufer brennt. Atemlos erzählt eine Anwohnerin von dem Feuer. Sie habe im Bett gelegen, ein Knall, sie ans Fenster, Flammen.

Morgens steht die Frau mit Nachbarn und Schaulustigen um das Wrack herum. Welcher Autotyp, welche Marke, welche Farbe ist kaum noch zu erkennen. Vier Räder, die Stoßdämpfer und das Metallgestell der Sitze ragen aus dem Haufen, verschmurgelte Kabel, verrußtes Metall. Das Wohnhaus hinter dem Wagen ist gezeichnet: Die Blumentöpfe an einem Balkon im ersten Stock sind geschmolzen, ebenso die beleuchtete Hausnummer, die Rollläden vor den Fenstern im Erdgeschoss.

"Das war knapp", sagt einer und geht kopfschüttelnd ins Haus.

In Berlin betrifft es nicht mehr nur heiße Stadtteile wie Kreuzberg oder Friedrichshain, in denen Linke seit Jahren gegen die Gentrifizierung kämpfen, also die Luxussanierung billigen Wohnraums zu schicken Lofts. Auch Mitte, Charlottenburg oder Wilmersdorf sind Tatorte. Am Wikingerufer, das zu den schöneren Straßen im heruntergekommenen Stadtteil Moabit gehört, steht das Wrack eines Audi-Geländewagens Q 5 vor einem mehrstöckigen Mietshaus direkt an der Spree. In der Gegend traf es in den vergangenen Wochen zehn Autos, erzählen Anwohner. "Wer macht so etwas?" – das wüssten hier alle gerne.

In Berlin und Hamburg ist kaum ein Muster zu erkennen. Die Täter zerstören Kleinwagen ebenso wie Limousinen, es brennen alte Opel, neue Smarts, familienfreundliche Kombis von Peugeot und auch teure Limousinen.