Der FAZ verschlägt es am Pfingstsamstag gar die Sprache. Die bundesweit erscheinende Tageszeitung druckt eine nahezu wortlose Fotoseite mit 40 Wracks unter der süffisant-bösartigen Überschrift Berlin, 2011.

Aus der Berliner Landespolitik ist bisher erstaunlich wenig zu hören. Dabei könnte das Thema bald in den beginnenden Wahlkampf geraten. Am vergangenen Montag gab es im Berliner Abgeordnetenhaus auf Antrag der CDU-Fraktion eine aktuelle Stunde zum Thema unter dem Titel: "Was tut der Senat?" Berlins Innensenator Ehrhart Körting, SPD, hatte zuvor immerhin einen verstärkten Einsatz der Polizei angekündigt, was immer das heißen mag. Die Berliner Polizei äußert sich nicht zum Einsatzkonzept, "um Festnahmen nicht zu erschweren".

Das Berliner Landeskriminalamt hält mehr als die Hälfte der Fälle für politisch motiviert. Aber woher will man das wissen? Bekennerschreiben sind rar. Innerhalb der linken Szene sind die Autozündeleien umstritten – sie träfen zu oft "Unschuldige", klagen Autonome in ihren Foren. In Berlin gab es allein in diesem Jahr 67 Autos, die durch andere brennende Fahrzeuge beschädigt wurden. Breite Sympathie für politische Ziele sind so nicht zu gewinnen.

"Die meisten Fahrzeugbrandstiftungen haben keinen klaren politischen Hintergrund – selbst wenn die Täter auf links machen", sagt Frank Dieter Stolt. Der Mannheimer Kriminologe und Brandexperte glaubt eher an Serienbrandstifter. Ihnen gehe es um den Kick, ein Auto anzuzünden, ein Gefühl von Macht und Lust. Das unterscheide sie von politisch motivierten Tätern, denen es um eine Aussage gehe, wenn sie die Fahrzeuge ihrer Gegner zerstören.

Serienbrandstifter, das zeigen kriminologische Studien, sind meist männlich, sozial isoliert und im Leben ohne Erfolg. Oft schlagen sie in der Nähe ihrer Wohnung zu und sind angetrunken. Autos sind ihnen womöglich ein neues Ziel, nachdem sie mitbekommen haben, wie leicht man die in Brand setzen kann.

Aber es gibt wohl auch Gelegenheitstäter, die aus einer Laune heraus handeln. Unter Jugendlichen, und dies ist nun schon Spekulation, könnte das Anzünden eine Mutprobe sein.

"Ich bin Straße, fick den Staat", rappt der Frankfurter Gangsta-Rapper Real Jay in seinem Song Autos brennen. Und als Refrain: "Was wirst du tun, wenn die Autos brennen?" Der Freiburger Rapper Escape tönt in einem anderen Song: "Mir geht es nur darum, dass ich meinem Ärger Luft mach. Lass die Autos brennen, wenn du dazu Lust hast." Autofahrer werden solcherlei Liedgut nicht gern hören. Aber ist es möglicherweise nicht eher Pose als Appell?

Der in Berlin lehrende Soziologe und Jugendforscher Klaus Hurrelmann glaubt nicht, dass die Täter aus benachteiligten Gesellschaftsschichten stammen und Feuerlegen als politischen Akt verstehen. "Wenn einfache, billige Automarken brennen, dann sieht es nach normaler Jugendkriminalität aus", sagt er. "Ein Auto in Flammen zu sehen übt auf manchen Jugendlichen anscheinend einen gewissen Reiz aus." Wichtig scheine es den Tätern zu sein, ihre Tat zu dokumentieren und zu zeigen. Das gehe per Handy – aber auch über das Internet.

Nicht alle Bilder müssen auf eigenes Tun zurückgehen. "Krass!", ruft ein Jugendlicher in der Hamburger Wohlers Allee, zwischen Sankt Pauli und Schanzenviertel. Er bremst sein altes Rad scharf ab und zeigt auf den Rest eines Peugeots, den er am Straßenrand entdeckt hat. Sein Freund hält auch. Sie fingern die Handys aus den kurzen Hosen und machen Fotos. Die beiden freuen sich über ihren Fund: "Krass. So sieht das aus, wenn sie die Autos burnen ."