Wer aber kassiert den großen Rest, die vielen Milliarden? Wenn Banken, Versicherungen und Investmentfonds einen Großteil ihrer Anleihen abgestoßen haben, wem gehören sie dann jetzt? Die Kleinanleger konnten sie nicht alle kaufen, ihnen fehlt das Geld. Wohin also fließt der Großteil der 8,4 Milliarden Euro aus Deutschland?

Anleihen im Wert von 50 Milliarden Euro, so steht es auf der Liste, gehören einem einzigen Gläubiger Griechenlands.

Dieser Gläubiger ist eine Bank. Die einzige Bank der Welt, die in den vergangenen anderthalb Jahren im großen Stil griechische Papiere kaufte. Diese Bank kassiert die meisten Zahlungen, die Petros Christodoulou jeden Tag von Athen aus auf den Weg bringt. Sie hat ihren Sitz in Frankfurt, in einem Hochhaus, vor dem ein großes Euro-Zeichen steht. Es ist die Europäische Zentralbank.

Hier hat die Spur des Geldes ihren Anfang, hier nimmt sie ihr Ende. Die EZB streicht die Steuermilliarden ein, die sie von den Euro-Ländern bekommen hat. Und weil diese Bank den Euro-Ländern gehört, kommt das Geld tatsächlich dorthin zurück, wo es herkam: zu den Regierungen. Es ist ein Kreislauf, so wie er bei dem bankrotten Handwerker und seiner Hausbank entstünde, wenn die Bank ihm immer neue Kredite gäbe, damit er die alten zurückzahlen kann.

Eine Hausbank wäre dazu nicht bereit – schon weil der Handwerker irgendwann tot und das Geld verloren wäre. Staaten aber sterben nicht. So könnte die Hilfe für Griechenland ewig weitergehen. Die EZB könnte noch mehr Anleihen aufkaufen , die Bundesregierung noch mehr Geld nach Athen schicken – und den Griechen neue Sparprogramme diktieren, damit die Milliarden auch zurückkommen, samt Zinsen. Die griechische Ökonomie ließe sich so womöglich sogar retten. Dafür hätte man die Demokratie abgeschafft. Denn die griechische Regierung säße dann nicht mehr in Athen, sondern in Brüssel, in Paris oder in Berlin.

Viele Fachleute fordern, die Überweisungen zu stoppen, den Kreislauf zu durchbrechen, dieses Spiel mit den Milliarden, das die Nachrichten diktiert und immer neue Ressentiments zwischen den Nationen schürt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das ist das Argument.

Das Problem ist, dass für diese Geschichte kein Ende denkbar wäre, das kein Geld kostet. Geld, das die Deutschen nach Athen überweisen müssen, wenn sie weiter helfen möchten. Oder Geld, das die Deutschen nach Athen überweisen müssten, wenn sie nicht mehr helfen wollten. Weil dann die griechischen Banken pleite wären.

Und wenn die Besitzer der griechischen Staatsanleihen kein Geld mehr bekämen, würden wohl auch die Besitzer der Anleihen Spaniens und Portugals nervös, weil auch diese Länder hoch verschuldet sind. Dann müsste die Bundesregierung bald Geld nach Madrid und Lissabon überweisen, damit dort nicht alles von vorne beginnt.

Niemand kann berechnen, was teurer wäre. Sicher ist nur: Am 20. August läuft GR 0114019442 aus. Dann braucht Petros Christodoulou die nächsten 6,8 Milliarden Euro.