Für jemanden aus dem Marketing klingt die Antwort auf die Anfrage erstaunlich abweisend: Nein, man wolle zurzeit nicht in die Presse, alles, was es über ihr Haus zu sagen gebe, stehe im Internet. Das Haus, das ist der Autofinanzierer Bank 11, und der kämpft nicht etwa mit einer drohenden Pleite, sondern mit einem regelrechten Kundenansturm. Der Grund: Die Bank zahlt für Tagesgeld-Einlagen derzeit 2,45 Prozent Zinsen und damit mehr als die meisten Institute.

Auf dem Markt für Tagesgeld passiert gerade Erstaunliches. Nach der Finanzkrise war mit kurzfristigen Einlagen nicht mehr viel zu holen, die Zinssätze dümpelten bei knapp über einem Prozent. Kurzum, Tagesgeld war ziemlich out. Doch seit Kurzem überbieten sich die Institute wieder mit immer besseren Konditionen. Der durchschnittliche Zinssatz liegt bei mehr als 1,5 Prozent, einige Institute bieten deutlich mehr. Die Postbank zum Beispiel garantiert Neukunden, die auch ein Girokonto eröffnen, in den ersten sechs Monaten Zinsen von 3,33 Prozent.

Der Kunde ist wieder König.

Doch zu welchem Preis? Droht Sparern ein ähnliches Schicksal wie den Zehntausenden deutschen Kaupthing-Anlegern, die nach dem Niedergang der isländischen Bank um ihr Erspartes zittern mussten?

Nein, selbst Verbraucherschützer geben dieses Mal Entwarnung. Sparern könne kaum etwas passieren, zumindest wenn sie ihr Geld innerhalb der Europäischen Union anlegten. Im Notfall muss dort der Heimatstaat der Bank einspringen. Das Zauberwort heißt Einlagensicherung. Sie greift, wenn ein Institut in Schieflage kommt, und garantiert für Summen bis zu 100.000 Euro.

Hinter dem aggressiven Werben um das Geld der Kunden steht also vor allem eines: ein starker Wettbewerb. Auf dem Finanzportal biallo.de etwa finden sich inzwischen 129 klassische Banken, Sparkassen, Autofinanzierer und Internetbroker mit Tagesgeld-Angeboten – laut biallo.de-Gründer Horst Biallo sind das rund zehnmal so viele wie noch vor zehn Jahren. Mit kurzfristigen Einlagen von Privatleuten wollen die Institute Kunden an sich binden und – manchmal noch wichtiger – schnell an frisches Geld kommen. Die Anleger, die höhere Zinsen wollen, als auf dem Sparbuch zu holen sind, nehmen die Kampfangebote dankend an. Vier von zehn Deutschen haben laut einer repräsentativen Umfrage inzwischen ein Tagesgeldkonto.

Das lockt Neueinsteiger auf den Markt. Einer von ihnen ist die Bank of Scotland. Das uralte Institut von der Insel ist Anfang 2009 mit einer deutschen Niederlassung an den Start gegangen, die bislang ausschließlich Tages- und Festgeldkonten anbietet. Unterstützt von viel Werbung im Fernsehen, in Zeitungen und im Internet, hat der deutsche Ableger in den ersten beiden Jahren bereits rund 250.000 Kunden gewonnen und von ihnen fast drei Milliarden Euro eingesammelt.

Von Anfang an bietet die Bank of Scotland mit die höchsten Zinsen für Tagesgeld, derzeit liegt ihr Satz bei 2,4 Prozent. Und trotzdem ist es für die Bank ein lohnendes Geschäft. "Unsere Zinsmarge ist positiv", sagt der Deutschland-Direktor Bertil Bos. Das liegt daran, dass die Bank das geliehene Geld etwa in Form von höher verzinsten Krediten an Firmenkunden weitergibt.