Michael Holst schraubt eine unförmige Energiesparlampe in die Fassung. Für jeden der acht Arme der Deckenleuchte hat er eine solche Lampe mitgebracht, entfernt erinnern sie an kleine Kakteen. "Wichtig ist erst mal das Sparen, nicht das Aussehen", sagt der Energieberater. Holst schaut in seine Unterlagen und dann zu Giesela Hamacher. Ihr gehört die Deckenleuchte. "Wir waren überrascht, was wir bei Ihnen noch gefunden haben", sagt Holst. Dieser Haushalt könne allein durch den Ersatz der Glühbirnen durch Energiesparlampen rund 44 Euro im Jahr sparen. Das bringe 111 Kilogramm CO2 weniger, rechnet Holsts Kollege Rolf Krautter aus: "So schwer, wie ich bin, das sparen Sie jetzt an Emissionen ein." Die alten Glühbirnen nimmt er mit.

Holst ist eigentlich Elektrotechniker, Krautter Bankkaufmann – und beide waren lange arbeitslos. Jetzt arbeiten sie für ein Gemeinschaftsprojekt der Hamburger Caritas und der städtischen Energieagentur Hamea: die Aktion Stromspar-Check. Dafür wurden sie und zehn andere Langzeitarbeitslose, alle sind älter als 50 Jahre, zu Energiesparberatern ausgebildet. Seit Januar 2010 beraten die Hamburger in Zweierteams kostenlos Menschen, die Hartz IV, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen. Allein im ersten Jahr waren es mehr als 600 Haushalte. Weil dort oft schon Kleinbeträge wichtig sind, suchen die Berater in den Wohnungen nach Stromfressern und erklären Mietern, wo und wie sie ihren Energieverbrauch senken können. In diesem Jahr wollen die Caritas und die Energiesparagentur die Zahl der Beratungen verdoppeln.

Der Anspruch des Projekts geht aber weit über individuelle Hilfe hinaus. Allein durch konsequentes Energiesparen könnten in Deutschland bis zu zehn Atom- und Kohlekraftwerke eingespart werden, so der Naturschutzbund. Heizung und Warmwasser sind für rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs verantwortlich, der Hauptanteil entfalle auf private Haushalte. Daher fördert die Bundesregierung die Beratungsinitiativen wie die der Caritas. Ähnliche Angebote gibt es auch bei Verbraucherzentralen, die in ihren Büros für fünf Euro etwa über Heizungsanlagen, Haushaltsgeräte und Wärmedämmung informieren.

Während die Stadt Hamburg, die sich in diesem Jahr Umwelthauptstadt Europa nennen darf, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken will, kämpfen Holst und Krautter im Kleinen für die Umwelt. Und dafür, dass steigende Energiepreise für Einkommensschwache nicht zu einer übermäßigen Belastung werden.

Bei ihrem ersten Besuch haben sie deshalb die Abrechnungen von Giesela Hamacher für Heizung, Wasser und Strom durchgesehen und ihren Verbrauch erfasst. Sie haben die Wasserhähne und den Duschkopf untersucht und notiert, wie alt der Kühlschrank ist. Sie haben geprüft, ob Fernseher und Computer auf Stand-by stehen. Erst fürchtete Holst, dass da nicht viel zu ändern sei, denn Hamacher habe bereits vieles richtig gemacht: Sie benutzt einen Sparduschkopf und Perlstrahler an den Wasserhähnen, die den Wasserverbrauch senken . Sie hat eine Steckdosenleiste für ihren Computer, die es ermöglicht, die Stromzufuhr komplett abzuschalten. Kaffeemaschine, Mikrowelle und Wasserkocher besitzt sie gar nicht. Die aber zählen zu den großen Energiefressern in modernen Haushalten.