Seit dem 10. März  versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf  andere Art wahrzunehmen.  Elf Lyrikerinnen und Lyriker  verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie  unabhängig von den  Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische  Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht  gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der  Ereignisse, wie wir sie seit  Anfang dieses Jahres  erleben. Die Gedichte  wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach  politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen  verfasst. Diese Woche  widmet sich Ann Cotten den Erwartungen an die  (politische) Lyrik.

Ann Cotton: Angewendete Sensibilität

Wenn wird der Lyrik Rat gefragt.
Wittert sie gleich, da stimmt was nicht.
Was stimmt denn nicht? Der Ton behagt
ihr nicht. Was wollt ihr von mir wissen?
Was Deutschland wird besorgen müssen.
Z.B.. Ergreifend. Oder schlicht.
Am besten beides. He he he.
Wir respektieren deinen Schmäh.

Die Lyrik scheißt auf die Vorsícht.
Mit Aufstieg rechnet eh sie nicht.
Ihr fragt, was nötig ist? Was sonst ist Politik?
Wurde es nicht schon längst gesagt?
Das Abkratzen der Oberschicht.