Die Frage: Leo und Kathy sind ein ganzes Jahr zusammen unterwegs. Kathy nimmt Leos Begleitung gnädig an und tröstet ihn, wenn er sich beklagt, dass sie nicht mit ihm schläft. Sie seien gute Freunde, sagt sie, aber das gewisse Etwas fehle, sie sei nicht in ihn verliebt. Ihrer Freundin Julia erzählt Kathy, Leo sei zwar nett, aber viel zu langweilig, sie suche einen wirklich interessanten Mann.

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Als Kathy sich im Urlaub in einen Golftrainer verliebt und Leo ein Foto von ihrem Schwarm schickt, beklagt sich dieser bei Julia über die Launen ihrer Freundin. Als Kathy desillusioniert aus dem Urlaub zurückkommt – der Golftrainer hat sich als Schürzenjäger erwiesen –, sind Julia und Leo ein Liebespaar. Kathy weint bitterlich. Sie wirft Leo und Julia vor, sie hätten sie betrogen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Kathy lebt in einer Traumwelt. Leo ist kein Traummann für sie, da sie ihn haben könnte. Er reizt ihre Träume erst in dem Augenblick, in dem eine andere Frau zu genießen scheint, was für Kathy nicht gut genug war. Dass diese Frau ihre Freundin ist, wirkt auf Kathy besonders bitter: Freundinnen sollten solidarisch sein in ihrem Urteil über Langweiler.

Ich vermute, Kathy erinnert sich nur noch dunkel daran, wie sie Leo hängen ließ und ihn Julia gegenüber entwertet hat. Prinzessinnen halten Hof und haben keine Rivalinnen. Sie entlassen aus ihrem Hofstaat, aber niemand darf sich einfach davonmachen, denn es empört sie zutiefst, wenn ihnen eine Verehrung entgeht, die sie wenig zu schätzen wussten, solange sie diese besaßen.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE . Sein neues Buch "Das kalte Herz. Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle" ist imMurmann Verlagerschienen.

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