Sonntagabend, beste Fernsehzeit. In der ersten Viertelstunde ist von Celia Okoyino da Mbabi überhaupt nichts zu sehen. Dann aber kommt ihre große Chance, alle Augen sind auf sie gerichtet – aber die Lockerheit, die sie sonst auszeichnet, ist plötzlich verschwunden, sie wirkt verkrampft. Nach 90 Minuten hat man ihren Auftritt vergessen.

Das war der Sonntag vor dem Eröffnungsspiel. Die ARD zeigte den Tatort, in dem es um Frauenfußball ging und Celia Okoyino da Mbabi, Offensivspielerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, in einem kleinen Gastauftritt sich selbst spielte. Man sah, dass ihr das schwer fiel.

Ganz anders eine Woche später in Berlin, 74.000 Zuschauer, 14 Millionen vor dem Fernseher, 42. Minute: Auftritt Celia Okoyino da Mbabi . Sie läuft allein auf die kanadische Torhüterin zu, von Verkrampfung keine Spur. Locker und clever schiebt sie den Ball ins Tor. 2:0 für Deutschland.

Nach dem Spiel kommt sie als eine der Letzten aus der Kabine. Um den Hals liegen ihre großen Kopfhörer, später im Bus wird sie Musik hören, "was gerade so in den Charts ist".

In der Vorbereitung war es passiert. Während Deutschlands Fußballreporter noch übten, den Namen Lira Bajramaj richtig auszusprechen, schlug plötzlich eine Spielerin mit einem noch viel komplizierteren Nachnamen präzise Flanken und machte schöne Tore: Celia Okoyino da Mbabi. Wenn es um die Stammformation ging, hatte niemand die Nummer 13 vom SC Bad Neuenahr bis dahin auf dem Zettel gehabt, Spielerinnen wie Birgit Prinz, Inka Grings und eben Lira Bajramaj schienen gesetzt . Bis Celia Okoyino da Mbabi kam. Und spielte.

Zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft, im Kempinski Hotel Gravenbruch bei Frankfurt. Die deutschen Frauen sind zu ihrem letzten Lehrgang angereist, sie wohnen in einem Fünf-Sterne-Hotel, das wie ein fürstlicher Landsitz anmutet. Celia Okoyino da Mbabi kommt gerade vom Mittagessen, lässt sich in einen Sessel in der Lobby fallen. Sie wirkt in dem schweren Sessel schmaler als auf dem Feld, kleiner und zarter. Wenn sie spielt, strahlt sie eine Robustheit aus, die man ihr jetzt nicht zutrauen würde. Ihre Nägel sind dunkel lackiert, die Haare enden streng zurückgekämmt in einem wuscheligen Zopf. Sie wirft Lira Bajramaj den Zimmerschlüssel zu, seit ein paar Jahren teilen sich die beiden ein Zimmer, wenn sie mit der Nationalmannschaft unterwegs sind. Zwei, die sich verstehen, viel lachen, sie gehören zu den extrovertierteren Spielerinnen.

In den ersten Wochen der Vorbereitung musste sie noch eine Hausarbeit schreiben, neben dem Fußball studiert sie Kulturwissenschaften in Koblenz, Thema: Gedächtnis und Erinnerung bei Platon und Aristoteles. Während des Turniers will sie nicht abgelenkt werden, aber in ihrem Alltag, sagt sie, könne sie sich nicht vorstellen, nur Fußball zu spielen, "ich muss auch immer was für meinen Kopf machen". Zwei Semester fehlen ihr noch bis zum Bachelor.