Eigentlich ist sie eine Besonnene ihres Fachs, und eigentlich dachte man, die Zeiten exhibitionistischer Cover-Räkeleien seien vorbei. Ausgerechnet die 28-jährige österreichische Sopranistin Anna Prohaska belehrt die Musikwelt nun eines anderen. Mal wickelt sie sich nackt in Satinlaken, mal schmachtet sie wie Ophelia blütenumkränzt in der Badewanne. Undinen, Nixen, Nymphen und andere Wasserfeen sind das Thema von Prohaskas Debüt-CD bei der Deutschen Grammophon.


Aber die Dramaturgie der Lieder von John Dowland bis Karol Szymanowski, die Eric Schneider auf dem Klavier begleitet, ist so bestrickend intelligent, dass man allen Kitsch der Aufmachung rasch wieder vergisst. Anna Prohaskas Timbre ist eher kindlich und gläsern, eher weißlich in der Farbe als von Ausdruck und Persönlichkeit durchglüht.

Das kommt der Verführungsmacht vieler Zauberfrauen im Liedrepertoire entgegen: den tändelnden Lockrufen von George Bizets Sirène , der nächtlichen Klage in Felix Mendelssohn Bartholdys Schilflied . Spätestens beim Rauschen der Wellen und Tauschen der Küsse in Des Fischers Liebesglück von Schubert erliegt man dieser Erotik der Seelenlosigkeit.

Anna Prohaska: Sirène, Deutsche Grammophon