Wir und die Saudis: Das ist nicht nur beim Panzerkauf , sondern auch auf dem Feld des Anti-Terror-Kampfes ein zwiespältiges Verhältnis. Aus dem Königreich, so lautet der Vorwurf, würde die radikale religiöse Strömung des Salafismus unterstützt, der als Nährboden für islamistische Terroristen hierzulande gilt. Erst vor zwei Wochen grollte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in der Süddeutschen Zeitung , trotz aller Rücksichtnahme auf den westlichen Verbündeten dürfe man dieses Problem nicht ausklammern: "Es gibt reiche Financiers der Salafisten aus dem Nahen Osten, auch aus dem Umfeld staatlicher saudischer Einrichtungen."

Trotz aller Rücksichtnahme? Deutschland und Saudi-Arabien eint seit Jahren eine Sicherheitspartnerschaft. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001, bei denen 15 der 19 Attentäter aus dem Königreich stammten, war das Problem der Saudis offenkundig. Doch erst nachdem sich der Terrorismus in den Jahren 2003 und 2004 mit Attentaten gegen das Land selbst richtete, vollzog Saudi-Arabien einen sicherheitspolitischen Kurswechsel – mit ambitionierten Deradikalisierungsprogrammen für Islamisten und erstaunlichem Erfolg, wie Guido Steinberg, Nahostexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, sagt: "Seit etwa 2005 ist das Land für uns ein immer wichtigerer und sehr verlässlicher Partner geworden."

Wie wichtig, das zeigten im vergangenen Jahr mehrere Hinweise auf mögliche Attentate, darunter der auf eine Luftpost-Paketbombe der Al-Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel. Die Islamisten hatten einen Drucker per UPS aus dem Jemen nach Chicago schicken wollen. Als das hochexplosive Paket bereits am Flughafen Köln-Bonn umgeladen wurde, bekam der BKA-Verbindungsbeamte in Riad mitten in der Nacht einen Tipp des saudischen Geheimdienstes GID. Beim nächsten Stopp in Großbritannien wurde die Bombe entdeckt. Ohne den Tipp wäre der Plastiksprengstoff wohl in dem Frachtflugzeug über dem Atlantik detoniert.

Die saudischen Agenten kannten sogar die Sendungsnummer. Woher, das blieb unklar, wie so manches in der Kooperation mit einem Partner, der keine Rücksicht auf Bürgerrechte nimmt. "In solchen Situationen wird nicht gefragt, wo eine Information herkommt", sagt Steinberg. Auch wenn saudische Fahnder teilweise "mit rechtsstaatlich zweifelhaften Methoden" arbeiten würden.

Die enge Sicherheitspartnerschaft fußt zudem auf einem bilateralen Abkommen, das Wolfgang Schäuble (CDU) als Bundesinnenminister 2009 mit seinem saudischen Amtskollegen schloss. Die Partner tauschen seitdem verstärkt Informationen und Fachwissen aus. Und Polizeibeamte: Etwa zwei Dutzend Bundespolizisten trainieren seit mehr als zwei Jahren in Saudi-Arabien Grenzschützer-Kollegen. Die Bundespolizei unterhält ein Projektbüro in Riad – als Teil einer ungewöhnlichen Exportförderung.

Ihr Einsatz war Bedingung für einen milliardenschweren Auftrag, den die EADS-Tochter Cassidian mit Schäubles Hilfe abschließen konnte. Mit Hightech will Saudi-Arabien die etwa 9000 Kilometer Grenze gegen Kriminelle, Terroristen und Aufständische schützen. Als Türöffner des Projekts gilt der designierte Berliner Polizeipräsident Udo Hansen. Der ehemalige Bundesgrenzschützer hatte, nachdem er 2008 in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden war, im Königreich für EADS gearbeitet. Den Einsatz der Polizisten im Polizeistaat zahle der Investor, heißt es. Die Regierung, die zum Panzer-Deal schweigt, nannte diese Hilfe für die Saudis "so eng umrissen vertretbar".

Das Problem mit dem Partner verdeutlicht bisweilen der umgekehrte Austausch. Unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) lud die Regierung einen saudischen General für einen Vortrag nach Deutschland ein. Geradezu verwundert lauschten Polizisten und Verfassungsschützer dem Militär. "Seine Weltsicht", sagt ein Zuhörer, "erinnerte uns sehr an Schriftgut, das wir von Hardlinern hierzulande kannten."