"Wir sind alle Astronauten", sagt der Mann mit den dicken Brillengläsern in die Kamera. "Und unser Raumschiff ist die Erde ." Der Mann, dessen Sendungsbewusstsein viel größer war als seine Brille dick, hieß Richard Buckminster Fuller , und als er vom Raumschiff Erde sprach, da war noch kein Mensch je ins All geflogen. Schon in den zwanziger Jahren hatte Buckminster Fuller (1895 bis 1983) in Amerika Häuser entworfen, die wie Ufos aussahen und wie Autos am Fließband produziert werden sollten, und Autos, die an Flugzeuge erinnerten. Er wollte unser Wohnen revolutionieren und die Fortbewegung noch dazu, er wollte die Kartierung der Welt auf den Kopf stellen, die Mathematik neu erfinden und bedachte schon früh, wie man die Ressourcen schonen könnte. Generationen von Künstlern hat er beeinflusst und gilt als Mitbegründer der biomorphen Architektur, gegen Ende seines Lebens war er in Amerika von den Hippies entdeckt worden, und heute wird er von den Planern einer grünen Architektur als Vorbild genannt.

Wer ihn noch nicht kennt, der sollte ins ostwestfälische Herford fahren, wo das Museum Marta dem großen Vorausdenker derzeit gleich zwei Ausstellungen widmet (bis 18. September): Die eine präsentiert kompakt inszeniert Werk und Leben des rastlosen Erfinders ; die andere versammelt heutige Kunstwerke , die von Buckminster Fullers beeinflusst sind.

Als Spross einer wohlhabenden Ostküstenfamilie hatte Fuller ein Studium in Harvard begonnen, war aber schnell wegen "Desinteresses" und "Verantwortungslosigkeit" von der Universität geflogen und im Baubetrieb seines Schwiegervaters gelandet. Mit Anfang dreißig steckte der Mann in einer Sinnkrise; als er aus ihr herausfindet, hat er auch seine Lebensaufgabe gefunden. In der Ausstellung sieht man mehrere Zeichnungen, die Ende der zwanziger Jahre entstanden sind und auch von einem hospitalisierten Spinner stammen könnten: Da sind unter einer skizzierten Weltkugel politische Slogans und sonderbare Berechnungen zu finden, oder man sieht um einen zentralen Mast gruppierte Hochhäuser, sogenannte 4D Lightful Towers , die von Zeppelinen transportiert werden und dann in vorher frei gebombte Krater verankert sind.

1928 schließlich baute er sein erstes Dymaxion House , ein einfach zu produzierendes, leicht zu errichtendes, sehr futuristisches Einfamilienhaus, mit dem er zum Henry Ford des Hausbaus werden wollte. Er entwickelte das Haus fortan weiter, 1946 entstand der Prototyp des Wichita House , ein rundes Aluminiumhaus, dessen Form gleichermaßen an eine Jurte wie an eine fliegende Untertasse erinnert. Ausgestattet war das Wichita House unter anderem mit einer Nebeldusche, die den alltäglichen Wasserverbrauch entscheidend verringern sollte.