Vorbeugen ist in der Medizin eine Tugend. Schwere Infektionskrankheiten wie Polio oder Tuberkulose konnten durch Impfungen bei uns fast vollständig ausgerottet werden. Durch Krebsabstrich vom Muttermund und neuerdings Impfung junger Mädchen gegen HPV-Viren kann das geringe Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, noch einmal drastisch reduziert werden. Bluttests bei Männern lassen Prostatakrebs früh erkennen, und Mammografien zeigen Brustkrebs, bevor er ertastbar ist. Kalzium und Vitamin D verzögern Osteoporose, und ein gut eingestellter Blutdruck hilft Schlaganfälle verhindern. Durch Prävention, Früherkennung und gesünderen Lebenswandel steigt die Lebenserwartung von uns allen eindrücklich – aber mit ihr leider auch das Risiko, an Demenz zu erkranken.

In der Schweiz leiden über 100.000 Menschen an Demenz, Tendenz: rasch steigend. Die Krankheit verursacht die direkten und indirekten Kosten von jährlich 6,3 Milliarden Franken. Das ist fast eine Milliarde Franken mehr, als die Schweizer Armee pro Jahr zur Verfügung hat.

Aber niemand überlegt sich, dass, wenn er alles daransetzt, möglichst lange zu leben, sein Risiko steigt, an Demenz zu erkranken. Vor Krebs, davor fürchten sich viele. Aber vor Demenz? Nein. Ich doch nicht.Dabei könnte man auch der Demenzerkrankung vorbeugen, wie diverse Studien zeigen. Alles, was gegen Arterienverkalkung wirkt, kann gegen vaskuläre Demenz schützen. Also Kontrolle von Blutdruck und Cholesterinspiegel, normales Körpergewicht und genügend Bewegung. Hoher Alkoholkonsum scheint Demenz zu fördern, während mäßiger Konsum vor ihr schützt. Einige Forscher untersuchten, ob eher körperliche oder geistige Aktivitäten gegen eine Demenzerkrankung helfen. Sie konnten sowohl fürs Jogging als auch fürs Gehirnjogging einen positiven Effekt nachweisen. Ebenfalls nützlich für die Prävention ist ein erfülltes Sozialleben. Warum ist das alles wichtig? Bei der gegenwärtigen Lebenserwartung erkrankt ein Drittel von uns im hohen Alter an Demenz. Ein Aufschub um nur ein Jahr reduziert die Zahl der Kranken um neun Prozent, eine Verzögerung um fünf Jahre könnte zu einer Halbierung der Krankenzahlen führen – einige Menschen würden ihre Demenz gar nicht mehr erleben, weil sie vorher sterben.

Die interessanteste Studie zum Thema wurde in renommierten Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Senioren, zwischen 65 und 94 Jahren alt, wurden in zwei Gruppen untersucht. Die eine Gruppe erhielt zehn Stunden Gehirntraining, die Kontrollgruppe hatte keinen Unterricht. Nach einem und drei Jahren bekamen einige der Trainierten acht Wiederholungsstunden. Der Effekt war enorm. Die geschulten Senioren profitierten im Alltag, bei Bankgeschäften und Behördengängen. Und dies noch fünf Jahre nach der letzten Schulung.

Deshalb, liebe Senioren, lernt eine Fremdsprache – oder tanzt! Eine bessere Zukunft ist euch sicher.