Es scheint, als lege es Axel Weber darauf an, mit seinen Karriereplänen für ein großes Durcheinander zu sorgen. Vor wenigen Wochen brüskierte er mit seinem plötzlichen Rücktritt als Bundesbankpräsident die Kanzlerin, die ihn auf den Chefposten der Europäischen Zentralbank hieven wollte. Jetzt stürzt sein unerwarteter Wechsel zur Schweizer Großbank UBS die stolze Deutsche Bank in ein Führungschaos. Die Spitze des größten deutschen Geldhauses ist dabei, sich selbst zu zerlegen. In vorderster Front: Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Vorstandssprecher Josef Ackermann. Der eine kann es nicht, und der andere kann es nicht lassen.

Ackermann hätte Weber gern zur Deutschen Bank geholt. Der Vertrag des obersten Deutschbankers läuft 2013 aus. Ein Nachfolger muss also her – und die Stellenbeschreibung hat es in sich: Gesucht wird eine Person, die die Feinheiten des Kapitalmarkts versteht, die aber auch bei den Mächtigen in aller Welt ein und aus geht und sich im dichter werdenden Gestrüpp der Finanzregulierungen zurechtfindet. Ein Banker also, der irgendwie auch Politiker ist.

Für Ackermann ist Weber diese Person. Der Bundesbanker beeindruckte den Deutsche-Bank-Chef durch seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Finanzkrise, seine klaren Analysen und seine internationalen Verbindungen . Ackermanns Umfeld ließ in den vergangenen Wochen kaum eine Gelegenheit verstreichen, um hinter den Kulissen auf die Qualifikationen Webers aufmerksam zu machen – und zugleich über dessen wichtigsten Kontrahenten herzuziehen: Anshu Jain, oberster Investmentbanker der Deutschen Bank. Der Inder mit Dienstsitz London, so wurde verbreitet, habe kein Gespür für die hiesigen politischen Befindlichkeiten und sei deshalb ungeeignet.

Ackermann verfügt als Vorsitzender des Weltbankenverbands über hochkarätige Kontakte. Er hat die Deutsche Bank an die Weltspitze geführt, die Finanzkrise hat das Institut – viel besser als die Konkurrenz – mit leichten Blessuren überstanden. Für Ackermanns Anhänger ist es nur logisch, dass ein erfolgreicher Banker seinen Sachverstand in die Nachfolgedebatte einbringt.

Nach dem deutschen Aktienrecht ist allerdings nicht der Vorstand, wie groß seine Verdienste auch sein mögen, sondern der Aufsichtsrat für die Besetzung des Chefpostens zuständig. Börsig, ein ebenso machtbewusster wie akribischer Manager, teilt Ackermanns Begeisterung für Weber nicht. Seine Skepsis fällt im Vorstand der Bank auf fruchtbaren Boden. Schließlich hat der frühere Wirtschaftsprofessor noch nie in der Privatwirtschaft gearbeitet und insbesondere keine Erfahrung im Bankgeschäft – die Bundesbank ist keine Bank, sondern eine Behörde.

Börsig fahndet also weiter, sondiert die internen Kandidaten, zu denen neben Jain auch der Risikovorstand Hugo Bänziger, der Deutschlandchef Jürgen Fitschen und der Finanzchef Stefan Krause gehören. Er sucht aber auch in den Reihen der großen deutschen Konzerne. Die alte Deutschland AG ist seine Heimat, er arbeitete vor seinem Wechsel in die Finanzbranche für Mannesmann, Bosch und RWE.

Börsigs Problem: Sehr erfolgreich war er bei der Nachfolgesuche bisher nicht. Eigentlich wollte Ackermann schon vor zwei Jahren abtreten. Doch statt einen geeigneten Kandidaten zu präsentieren, brachte sich Börsig selbst ins Spiel – was die Anteilseigner so verärgerte, dass sie Ackermann baten, nochmals zu verlängern.