Lottospieler und Spielhallenbesucher sind grundverschiedene Typen. Wer Lotto spielt, glaubt an die Million, an die Erlösung. Der Spielhallenbesucher weiß, dass in der Halle kein Reichtum zu holen ist. Mal zwanzig Euro verlieren, mal dreißig, ganz selten mal ebenso viel gewinnen, so läuft es dort.

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Warum geht er dann trotzdem hin (die wenigsten sollen ja süchtig sein)? Der Soziologe Jo Reichertz von der Uni Duisburg-Essen betreibt seit Jahren Feldforschung in Spielhallen. Er glaubt, dass sich der Spieler dort beweisen will, dass er verlieren kann. Dass er es aushält. Reichert nennt es die "Heroisierung von Frusterlebnissen" (man kennt das auch von Fußballfans, die sagen: Bayern-Fan sein kann ja jeder, ich halte zu Bochum).(Um die Karte zu vergrößern, klicken Sie bitte hier)

Der mittlere Angestellte (früher: der Arbeiter) kann den Frust in der Spielhalle dosieren, anders als den an der Arbeit. Stimmt die Frusttheorie, geht es den Rheinland-Pfälzern gerade nicht so gut. Den Brandenburgern wohl auch nicht – die haben nicht genug Kleingeld, das sie frustvoll verspielen könnten.