Der Lügenbaron Münchhausen konnte sich im Märchen nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, die eiserne Lokomotive Emma aus Jim Knopf konnte nicht mittels eines vor ihrer Nase baumelnden Magnets fahren, und man kann auch kein Boot anschieben ohne Wasserkontakt. Der Grund dafür ist Newtons drittes Gesetz: Zu jeder Kraft gibt es eine gleich große Gegenkraft, und in geschlossenen Systemen heben diese einander auf.

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Die Sache mit dem Pusten ist komplizierter. Zwar ist die Kraft, die von der Mannschaft mithilfe der Lungen entwickelt werden kann, viel zu klein. Aber nehmen wir einmal an, dass ein kräftiger Ventilator im Heck das Segel direkt anbläst. Berücksichtigt man nur die Kraftübertragung aufs Segel, resultiert nach Newton kein Vortrieb. Aber die Luft muss ja danach irgendwohin, und dabei tritt sie unweigerlich mit der Umgebungsluft in Wechselwirkung. Damit handelt es sich nicht mehr um ein geschlossenes System, und das Boot kann sich durchaus bewegen. Wenn die Luft in die Richtung zurückgelenkt wird, aus der sie gekommen ist, resultiert daraus tatsächlich eine Vorwärtsbewegung.

Allerdings ist für diesen Effekt das Segel überflüssig. Die Wirkung ist viel größer (und der Effekt schneller nachvollziehbar), wenn man den Ventilator umdreht und ihn direkt nach hinten blasen lässt. Auf diese Weise werden zum Beispiel die flachen Propellerboote angetrieben, mit denen man Sümpfe befährt.

Also: Bei Flaute alle Mann ins Heck und kräftig nach hinten pusten!

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