Es gibt Intendanten in der deutschen Theaterlandschaft, die zurzeit verzweifelt gegen die Schließung von Sparten und Spielstätten an ihren Häusern kämpfen. Es gibt aber auch einen Intendanten, der verzweifelt um die Eröffnung seiner Spielstätte kämpft. Womöglich ist er der unglücklichste von allen – ein Vergeblichkeitsmanager und Sisyphosplaner.

Jahr für Jahr entwirft Christoph Lieben-Seutter ein glamouröses Programm für die Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie. Er lädt die berühmtesten Orchester und tollsten Dirigenten ein, weil für Hamburg und seinen neuen "Weltklasse"-Konzertsaal das Beste gerade gut genug ist. Jahr für Jahr aber muss er leider feststellen, dass die Philharmonie nicht fertig wird.

2007 hat man Lieben-Seutter von Wien nach Hamburg geholt, rechtzeitig für die ursprünglich geplante Eröffnung im Jahr 2009. Sie wurde wegen Bauverzögerungen erst auf 2011 und dann auf 2013 verschoben.

Jetzt hat Lieben-Seutter in einem Fernsehinterview eingeräumt, dass es unter Umständen sogar bis zum Jahr 2015 nichts wird mit einem Spielbetrieb in dem neuen Konzertsaal, für den die Stadt Hamburg ursprünglich 70 Millionen Euro aufbringen sollte und der jetzt mindestens 350 Millionen kosten wird. Eine Wette für 2015, erklärte Lieben-Seutter, würde er nicht mehr abschließen. In 2015 endet sein Vertrag. Eine beispiellose Ära könnte dann zu Ende gehen – mit Lieben-Seutter als dem langjährigen Intendanten, der den Vorhang in seinem Haus nie hochgehen sah.