Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Diese Woche widmet sich Monika Rinck der Finanzkrise.

Monika Rinck: Zinsverbot

Da hat doch schon wieder jemand die Milch in der Kuh verkauft.

Die Zukunft steht prinzipiell offen. Moment, das ist mein Euter!

Ihr sollt die Milch nicht im Euter verkaufen. Futures, Terminhandel:

auch das nicht. Und ihr sollt nicht mit unreifen Früchtchen handeln.

Ihr sollt warten, bis die Reize eine angemessene Größe haben,

groß genug, um damit für Tiernahrung oder Mietwägen zu werben.

Ja, das dauert. Stichwort: Volatilität! Auch sollt ihr die Wolle nicht

auf dem Rücken der Tiere verkaufen. Nicht einmal das. Und Zins

sollt ihr nicht nehmen! Wie? Zins nicht! Ihr habt schon verstanden.

Wenn man euch versehentlich Gelder als Zinsguthaben übereignet,

werdet ihr die präzise atomisieren, zugunsten insolventer Besteller.

Das wäre es, in etwa. Mehr braucht ihr dazu gar nicht zu wissen.

Und es wird euch wohlergehen auf Erden. Ja, ich meine es ernst.