Fjällräven Rucksack, circa 50 Euro © Peter Langer

Die Kulturgeschichte des Rucksacks lässt sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen: Der erste dokumentierte Rucksackträger war Ötzi, der ungefähr 3300 Jahre vor Christus durch die Alpen stapfte, was ihm nicht guttat, denn er wurde viele Jahre später im Gletscher gefunden. Ötzi hatte eine Kraxe bei sich, ein Gestell also, das man auf dem Rücken trägt, um seine Habe daran festzuzurren.

Wer früher Dinge auf dem Rücken schleppen musste, war meist ein armes Schwein, denn er besaß kein Lasttier, dem er sein Zeug aufbürden konnte. Erst viel später gewann die Menschheit der Schlepperei etwas Positives ab – etwa in der Wandervogelbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Wanderburschen trugen beim Laufen hölzerne Tornister auf dem Rücken, die mit Leder bespannt waren. In Mode kamen Rucksäcke erst in den achtziger Jahren, als es unter Schülern populär wurde, die sperrigen Schultaschen gegen Rucksäcken der Marke Salomon zu tauschen. Schnell galt das Tragen eines Rucksacks nicht mehr als Zeichen von Belastung, sondern als Ausdruck von Lebensstil. In den neunziger Jahren entdeckten dann die Luxusmarken den Rucksack und ließen ihn kleiner und kleiner werden. Bald schulterten die Damen an dünnen Riemchen winzige Modelle, in die kaum mehr hineinpasste als das Schminkset.

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In den nuller Jahren war der Rucksack eine Zeit lang modisch abgemeldet. Das änderte sich, als die Firma Eastpak begann, junge Designer an die Gestaltung ihrer Rucksäcke zu lassen, etwa den Belgier Raf Simons. Er schuf riesige Männerrucksäcke, in die man die ganze Welt packen konnte, die also ihren Träger zum Atlas machten. Doch die Ära des Riesenrucksacks fand ein schnelles Ende, und auch junge Leute fingen an, Minirucksäcke zu tragen: bunte Dinger der Marke Fjällräven, die eigentlich für skandinavische Schulkinder gemacht worden waren – und jeden Träger genau so aussehen lassen.

Warum die Menschen das tun, ist rätselhaft. Vielleicht werden einst kluge Wissenschaftler diese Frage beantworten können – spätestens in 5300 Jahren, wenn man an der Stelle, wo einst Berlin war, die Überreste von Trägern bunter Polyesterrucksäcke ausgräbt. Die Dinger sollen ja lange haltbar sein.