Herr König war etwas erstaunt, dass gerade er den neuen A6 als Dienstwagen bekam. 300 PS, die man kaum hörte. Eine Straßenlage wie auf Schienen. Ledersportsitze, in denen man gesünder saß als am Schreibtisch. Perfekte Technik. Ein Auto, in dem jede Menge Platz für Herrn Königs Familie gewesen wäre.

König hatte keine Familie.

Er verbrachte Stunden damit, hinter dem Lenkrad des A6 zu sitzen, über die Eichen-Echtholzeinlagen im Armaturenbrett zu streichen und mit dem integrierten WLAN-Hotspot seine E-Mails zu erledigen.

König bekam fast keine Mails. Sein Chef hatte ihm gesagt, dass das, was er all die Jahre für die Firma geleistet hatte, vorbei sei und König nun Neues zu leisten habe. Was, das hatte er nicht gesagt.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Also tat König, als habe er Kundentermine, allein die Lichtassistenten waren gleich mehrere Nachtfahrten wert: das Fernlicht mit vollautomatischer Leuchtweitenregulierung. Das Abbiegelicht, das Kreuzungen so ausleuchtete, dass alle Schilder zu erkennen waren, auch wenn man dank dem sprachsteuerbaren Navi mit der interessanten Frauenstimme keine Schilder mehr benötigte. Und dann der Nachtlichtassistent, der Menschen auf dem Display erst gelb markierte, und wenn man weiter auf sie zuhielt, wurden sie rot, und es gongte.

"Und?", fragte der Chef, als König ihm auf dem Firmenparkplatz in die Arme lief.

"Gutes Auto", stotterte König.

"Das Auto schon", sagte der Chef und ließ ihn stehen.

König wunderte sich über sein jähes Triumphgefühl, als er feststellte, dass das Reifengeräusch des A6 auf geflickten Fahrbahnstellen zu laut war. Und als er Ina, die Navistimme, bei einem Fehler ertappte: Sie empfahl eine Umleitung – obwohl die Autobahn um diese Zeit immer frei war! König lachte höhnisch und fuhr weiter.

Der Stau kostete ihn vier Stunden.

König tobte und schrie Ina an. Die arrogante Zicke sagte immer nur: "Wie bitte?" Später weigerte sich die Parkautomatik, in die Riesenlücke vor Königs Haus einzuparken. Nicht mit König! Er parkte selber ein, so wie früher, schneller und besser als der Scheißautomat, all die verlogenen Warntöne ignorierend. Bis es kratzte und knirschte.

Als die Polizei weg war, bekam König Schüttelfrost. Am nächsten Tag kündigte er.

"Sehr gutes Auto", lächelte sein Chef.

Technische Daten   

Motorbauart: 6-Zylinder-Motor
Leistung: 220 kW (300 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 190 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,2 Liter
Basispreis: 51.600 Euro

Mark Spörrle ist stellvertr. Chef vom Dienst bei der ZEIT