Auf dem Gipfel gegenüber der Wartburg waren sie noch einmal zusammengekommen. Mit Fackeln und Fahnen zogen Hunderte uniformierte Akademiker zum Burschenschaftsdenkmal hinauf, um dort das Deutschlandlied zu intonieren – erste Strophe inklusive. Es war der Abschluss des Burschentages 2011 im Juni, des jährlichen Treffens der 123 Mitgliedsbünde im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB).

Angesichts solcher Bilder überraschen die vergangene Woche aufgetauchten Protokolle und Strategiepapiere aus der DB nicht wirklich, auch wenn Spiegel Online sie als »brisante« Enthüllungen einstufte . Die Dokumente, die unter anderem aus dem internen Nachrichtenblatt und den Sitzungsberichten einzelner Bünde stammen, belegen: Teile der Burschenschaften sind tatsächlich so rechtslastig, wie es ihnen seit Langem vorgeworfen wird und wie ihr Auftreten oder der »Deutschland, Deutschland über alles«-Gesang vermuten lassen.

Antrag: Nur Deutsche in die Burschenschaft

Zuletzt hatte ein auf dem Burschentag vorgesehener Antrag Aufsehen erregt, dem zufolge nur noch Söhne deutschstämmiger Eltern aufgenommen werden sollten . Der Antrag kam aus den Reihen der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, die wiederum zur extrem rechten Burschenschaftlichen Gemeinschaft gehört. Nach massiven Protesten anderer DB-Burschenschaften verzichteten die Raczeks auf ihren Antrag – und auch auf einen zweiten, nämlich gleich einen Burschenschaftler auszuschließen, weil seine Eltern aus China stammen.

Die Auseinandersetzungen innerhalb der Deutschen Burschenschaft zeigten, dass man hier differenzieren müsse, sagt die Gießener Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth, führende Studentenverbindungsforscherin: »Nicht alle Burschenschaften sind rechtsradikal, und die Burschenschaften sind nur eine Minderheit innerhalb der Szene der Studentenverbindungen.« Doch nach außen verwischten schnell die Unterschiede, so Kurth, denn allen Verbindungen gemeinsam sei das Festhalten an alten Ritualen und Umgangsformen. »Für unbeteiligte Beobachter wirken sie wie der Ausdruck einer fremden Kultur, die man mit einer Mischung aus Faszination und Schaudern beobachtet.«