"Alle Arbeitsplätze sind sicher", hatte die Geschäftsleitung des Zulieferers verkündet – vier Monate später spülte eine Entlassungswelle 200 Arbeitsplätze weg. "Wir konzentrieren uns aufs Inlandsgeschäft", versicherte der mittelständische Unternehmer – ein Jahr später expandierte die Firma nach Osteuropa. "Ich wünsche mir mehr offene Rückmeldungen", hatte der Abteilungsleiter eines Elektronikkonzerns behauptet. Drei Wochen danach degradierte er seinen eigenen Stellvertreter, der ihn kritisiert hatte.

Es gibt zwei Währungen, mit denen eine Führungskraft gegenüber ihren Mitarbeitern handelt: das Wort und die Tat.

Je länger ein Führungswort gilt, je mehr es sich mit den Taten deckt, desto größer das Vertrauen der Geführten. Denn im selben Maße, wie Menschen – laut Walser – eine unkontrollierbare Macht als schlimm empfinden, schätzen Mitarbeiter einen berechenbaren Kurs. Doch diese Kontinuität geht im Zeitalter der Globalisierung verloren.

Viele Chefdarsteller sehen den Aktionismus und das Staubaufwirbeln als ihren Existenzbeweis. Sie wenden ihre Hälse so schnell, dass die Gedanken nicht mitkommen. Die Wirkung ist fatal: Wenn die Führenden wie beim Blindekuhspiel herumirren , heute in diese, morgen in jene Richtung, wird den Mitarbeitern schwindlig. Sie treten auf der Stelle, verlieren die Orientierung und den Respekt vor ihren Vorgesetzten.

Aber muss eine Firma nicht flexibel sein und blitzschnell auf Entwicklungen des Marktes reagieren?

Nein, es kommt nicht auf Kurswechsel mit quietschenden Reifen an – sondern darauf, den Kurs mit Weitblick festzulegen. Die Führungskraft gleicht dem Fahrgast im Taxi: Am Steuer sitzen Mitarbeiter, sie gibt nur an, wohin es gehen soll. Wenn die Grundrichtung stimmt, ist es kein Problem, sich in den Nachbarstadtteil fahren zu lassen – etwa mit einer Expansion nach Ungarn statt nach Russland zu gehen. Doch wer in den Norden aufbricht ("offene Rückmeldungen"), aber dann plötzlich in den Süden will ("blinder Gehorsam"), verunsichert seine Mitarbeiter, nimmt seinem Wort die Glaubwürdigkeit und erreicht keines seiner Ziele. Willkür führt zu nichts – nur in die Sackgasse.