Celina, das Wunschkind, wird in den nächsten vier Stunden eine Handvoll Kirschen mit Kernen verschlucken, eine entzündete Hundepfote verbinden, ein Stück Weißwurst essen, in der Hängematte vorgelesen bekommen, auf zwei Bäume klettern, ein bisschen schmusen und einen Maulwurfsbau sezieren. Als Erstes aber quiekt Celina laut vor Freude und läuft in den Garten.

Kurz bevor Celina auf die Welt kam, wurde Birgit Kopicer klar, dass es nicht immer einfach mit ihr werden würde. Kopicer war Physikstudentin, 23 Jahre alt und im zweiten Semester an der Uni Regensburg. Sie erwartete ihr erstes Kind mit ihrem Mann Martin. Es war kein Versehen, sondern eine Entscheidung. Die beiden lieben Kinder.

Auch Sophie Schmeer liebt Kinder, sie liebt ihre eigenen über alles, und seit das letzte ihrer fünf das Elternhaus verlassen hatte, sehnte sie sich nach Enkelkindern. Als sie die Anzeige in der Tageszeitung las, wurde ihr klar, dass man das Glück auch manchmal selbst in die Hand nehmen kann. Das Glück heißt Celina. Ein hübsches Mädchen mit großen Augen und blondem Haar, das gern lacht und häufig staunt.

Sophie Schmeer und Birgit Kopicer haben, wenn man so will, Glück und Schicksal gleichermaßen zusammengeführt. Die Studentin suchte nach der Geburt ihrer Tochter nach einer Ergänzung zum Betreuungsprogramm an der Uni . Nach jemandem, der mal auf Celina aufpasst, wenn Klausuren anstehen oder wenn sie krank ist und ihr Mann Martin arbeiten muss. Die 62-Jährige wiederum hatte immer schon gern ehrenamtlich geholfen, zuletzt in der Telefonseelsorge, aber das hier, eine Ersatz-Oma zu sein für das Kind einer Studentin, das gefiel Sophie Schmeer auf Anhieb. So gesehen ist Celina ein doppeltes Wunschkind.

94.500 Studenten in Deutschland studieren mit Kind

In Deutschland studieren etwa 94.500 Studenten mit Kind . An der Uni Regensburg sind es etwa 400. Martha Hopper vom Familien-Service der Universität kümmert sich um sie. Sie war es auch, die das sogenannte "Paten-Großeltern-Projekt" zusammen mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) 2008 gründete. Die Uni-Omas. Es war eine Idee, die auf einer einfachen Gleichung beruhte: Auf der einen Seite gab es viele Studenten mit Kind, die wenig Zeit hatten und deren Eltern zu weit weg wohnten, um ihnen zu helfen – genau wie bei Birgit Kopicer und ihrem Mann. Auf der anderen Seite gab es Menschen in Regensburg, die gern helfen wollten und viel Zeit hatten. So wie Sophie Schmeer. Martha Hopper kam auf die Idee, sie zusammenzubringen. Mittlerweile betreut Hopper zehn Tandems.

Zwischen Birgit Kopicer und Sophie Schmeer funktionierte es von Anfang an. Sie haben dieselbe Idee davon, wie man Kinder erzieht, nämlich lenkend und nicht autoritär. Zuerst haben sie sich immer noch zu dritt getroffen, irgendwann ließ Kopicer die Uni-Oma mit ihrem Kind allein, und heute, zwei Jahre später, schmiegt sich Celina wie selbstverständlich in die Arme der älteren Dame.

Jeden Mittwochmorgen bringt Birgit Kopicer Celina in die Uni-Krabbelstube Campuskinder und geht dann in die Physik-Vorlesung. Als Celina noch kleiner und ihre Mutter im Bachelorstudium war, da wickelte sie Celina in ein Tragetuch und nahm sie einfach mit in die Vorlesung. Aber in den Bachelorkursen saßen hundert Studenten im Hörsaal. Im Master sind sie manchmal nur vier, "da geht das nicht mehr", sagt Kopicer.