Jetzt bietet auch noch die Opposition der Bundesregierung ihre Hilfe an . Es ist ein fast schon dramatisches Signal. Es erinnert an die Zeiten, als die Große Koalition unter der Ägide von Merkel, Steinbrück und Steinmeier das Land passabel durch die letzte große Krise steuerte; damals im Herbst 2008, als die Kanzlerin und ihr Finanzminister mit einem spektakulären Auftritt die Spareinlagen der Deutschen garantierten. Dass die SPD sich nun zum öffentlichen Angebot entschließt, signalisisert neben dem Willen zur Kooperation natürlich auch: Ihr schafft es nicht alleine.

Für ein solches Signal ist der Zeitpunkt gut gewählt. Seit auch Italien ins Visier der Märkte geraten ist, scheint im Ringen um den Euro eine neue Stufe erreicht. Inzwischen stehe nicht nur die Währung, sondern das "europäische Projekt" selbst auf dem Spiel, warnt der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

In der schwarz-gelben Koalition wächst die Unruhe. Ein EU-Gipfel jagt den anderen, das nächste Hilfspaket für Griechenland ist seit Anfang Juli überfällig. Nur unter dem Druck der Koalitionsräson sind die Abgeordneten bereit, ihrer Regierung in immer neue Zahlungsverpflichtungen zu folgen. Ginge es nach der Stimmungslage unter den Abgeordneten, wären Mehrheiten für die Milliardenprogramme kaum mehr zu organisieren. Verantwortliche Regierungsmitglieder bezeichnen ihre Bemühungen zur Krisenbewältigung inzwischen als "Schlacht".

Seit Beginn dieser "Schlacht" haben sich die Grundannahmen der Bundesregierung nicht verändert. Auch wenn ihre konkreten Entscheidungen manchmal sprunghaft wirken und immer wieder Erwartungen geweckt werden, die auf der europäischen Bühne nicht durchzusetzen sind, bleibt sich die Bundesregierung in ihrer Krisenanalyse treu. Demnach handelt es sich bei den aktuellen Verwerfungen nicht um eine Euro-Krise, sondern um eine Schuldenkrise einzelner Staaten. Das ist die Grundauffassung, die das deutsche Krisenmanagement seit dem Frühjahr 2010 bestimmt. In dieser Sichtweise sind die Reaktion der Märkte, die steigenden Zinsen, der drohende Kollaps ganzer Volkswirtschaften und die Gefahr für die Gemeinschaftswährung allesamt nur Folgeprobleme des unsoliden Finanzgebarens einzelner Euro-Staaten.

Die Probleme an der Wurzel packen, das ist die Metapher, mit der Merkel ihre Vorgehensweise beschreibt. Ihre Krisenbewältigung setzt bei den Verursachern an. Wenn die, allen voran Griechenland, ihre unseriöse Finanzpolitik beenden und einen strikten Sanierungskurs einleiten, sieht Merkel bald auch die Währung außer Gefahr. Wie man einen Staat, der jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt hat, der nicht wettbewerbsfähig ist und sich an unfinanzierbare Sozialstandards gewöhnt hat, zu finanzpolitischer Vernunft bringt, auch das glaubt die Bundesregierung erkannt zu haben. Man zwingt den Delinquenten zur Annahme eines Sanierungsprogramms, indem man die dringend benötigten Hilfszahlungen, die den Staatsbankrott abwenden sollen, an ebendiese Bedingung knüpft. Erst wird die nachhaltige Sanierung erzwungen, dann fließen die Mittel, mit denen der Kollaps abgewendet werden kann.

Doch schon bei der ersten Rettungsrunde für Griechenland zeigte sich das Dilemma dieser Strategie : Weil die Hilfe ungewiss bleiben muss, um den Druck auf die sanierungspflichtigen Länder aufrechtzuerhalten, bleiben auch die Zweifel der Märkte, ob die Schuldner je wieder zahlungsfähig werden. In der Zwischenzeit wird der Kampf um die Sparpakete regelmäßig von Unruhen in den Krisenstaaten begleitet. Generalstreik, Dauerprotest oder gewalttätige Ausschreitungen aber sind keine Bilder, die Investoren und Analysten beruhigen.

Dabei ist die Grundannahme der Bundesregierung plausibel: Wenn alle vernünftig wirtschafteten, gäbe es die Krise nicht. Doch gerade der konsequente Reformdruck, den die Deutschen inzwischen als europäische Strategie durchgesetzt haben, verschärft erst einmal die Situation der Schuldnerländer. So bleibt auch der Euro angreifbar. Schon einmal, im Mai vergangenen Jahres, drohte die Lage außer Kontrolle zu geraten. Fast schon panisch wurden damals die zuvor lange verzögerten Hilfsmilliarden durch den Bundestag gepeitscht.