3. Sind an der Krise die Finanzmärkte schuld?

Die Teilnehmer der Märkte sind auf jeden Fall sehr nervös. Für die Krisenstaaten wird es zusehends schwierig, neue Staatsanleihen zu erträglichen Zinsen zu platzieren. Und wie immer in Zeiten der Unsicherheit neigen die Investoren zur Übertreibung – so wie am Dienstag der vergangenen Woche, als urplötzlich niemand mehr italienische Staatsanleihen kaufen wollte, obwohl eigentlich nicht viel geschehen war, denn Italiens Schuldenprobleme sind seit Langem bekannt.

Die meisten Anleger aber verhalten sich durchaus rational. Sie haben Angst um ihr Geld – und sie verlieren zunehmend den Glauben daran, dass die Europäer ihr Schuldenproblem in den Griff bekommen. Deshalb investieren sie lieber woanders.

4. Wie gefährdet ist Italien?

Italien sei nicht Griechenland, sagen die Italiener – und sie haben recht. Das Land hat zwar die zweithöchste Schuldenquote in Europa, doch die Staatsschulden allein sind noch nicht sehr aussagekräftig. Italien ist eine moderne Volkswirtschaft mit wettbewerbsfähigen Unternehmen. Die Regierung hat trotz aller Defizite die Schulden bislang unter Kontrolle halten können, und auch das jüngste Sparpaket wurde am Ende zügig verabschiedet. Um das Schuldenproblem wirklich zu lösen, sind zwar radikalere Schritte nötig, aber darin unterscheidet sich Italien nicht von den meisten anderen westlichen Ländern.

Ein weiterer Vorteil: Italien hat sich langfristig finanziert. Aktuell sind Staatsanleihen im Wert von 1582 Milliarden Euro im Umlauf. Bis Jahresende werden davon nur 50 Milliarden Euro fällig und müssen durch neue Anleihen abgelöst werden. Die Unruhe an den Märkten ist für das Land also im Moment noch nicht existenzbedrohend.

Sie kann es aber schnell werden. Die Italiener sparen zwar viel und können auf diese Weise einen Teil ihrer Staatsschulden selbst finanzieren. Doch entgegen der ständigen Beruhigung aus Brüssel und Rom wird gut die Hälfte aller ausstehenden Anleihen von Ausländern gehalten.

Wenn nun die Finanzmärkte dem Land dauerhaft hohe Zinsen abverlangen, steigen allein durch die zusätzlichen Zinslasten die Kosten für den Staat weiter. Es droht eine Spirale aus steigenden Zinsen und höheren Schulden. Unter Investoren gilt die Staatsverschuldung ab einem Zinsniveau von sieben Prozent als nicht mehr tragfähig – würde Italien derzeit Anleihen platzieren, es müsste knapp sechs Prozent bezahlen.

5. Welche Lasten können die Banken noch verkraften?

Eine Umschuldung in Griechenland würde die hiesigen Banken jedenfalls nicht umwerfen. Die zwölf wichtigsten Institute haben – Stand Ende 2010 – nur noch griechische Staatsanleihen in Höhe von 7,67 Milliarden Euro in den Büchern. Die größte Position hält die Commerzbank mit 3,1 Milliarden Euro, die Deutsche Bank ist mit 1,7 Milliarden dabei. Ein Teil dieser Forderungen ist bereits abgeschrieben, sodass die Verluste relativ gering wären – zumal viele Institute ihre Kapitalpuffer aufgefüllt haben und einen kleinen Schnitt ins Eigenkapital vertragen.

Gefährlich wird es, wenn eine Umschuldung in Griechenland auch andere Euro-Staaten in den Abgrund reißt. Mit zusammengerechnet 69 Milliarden Euro sind die deutschen Geldhäuser in griechischen, spanischen, portugiesischen, italienischen und irischen Staatspapieren engagiert. Sollte es in allen diesen Ländern zu einem Schuldenschnitt in der Höhe kommen, wie er an den Finanzmärkten derzeit vorweggenommen wird – 40 Prozent in Griechenland, 30 Prozent in Irland und Portugal, 10 Prozent in Italien und Spanien –, würde allein die Deutsche Bank nach Schätzungen der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan zusätzliches Eigenkapital in Höhe von neun Milliarden Euro benötigen.

Mindestens genauso problematisch wie die Gefahr direkter Zahlungsausfälle ist der drohende Vertrauensverlust. Banken müssen die Kredite, die sie vergeben, auch refinanzieren. Viele Institute in Europa borgen sich die Mittel unter anderem bei amerikanischen Geldmarktfonds. Bereits seit Anfang 2010 haben diese Fonds schätzungsweise 130 Milliarden Dollar aus dem europäischen Bankensektor abgezogen. Wenn die Finanzquellen ganz versiegen, wird es eng.