Als die Murdochs, Vater Rupert und Sohn James, am vergangenen Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments aussagen , saßen die wahren Richter nicht im Raum. Aber sie sahen zu. Die Anhörung wurde im Fernsehen übertragen, und so konnten die wichtigsten Investoren des Bezahlfernsehsenders BSkyB beobachten, wie sich James Murdoch schlägt. Die Schlüsse, die sie daraus ziehen, werden in den kommenden Tagen über die Karriere des Sohnemanns entscheiden – und letztlich über den Zugriff der Familie Murdoch auf News Corp., den zweitgrößten Medienkonzern der Welt.

Es besteht kein Zweifel, dass James, der heir apparent, wie sie in Großbritannien sagen, seinem Vater Rupert bald als Chef von News Corp. nachfolgen soll . Erhebliche Zweifel bestehen aber daran, ob James Murdoch den Skandal in Großbritannien überstehen wird.

James präsentierte sich den zehn Abgeordneten zunächst wie ein Pennäler. Sie sitzen an einer halben Tafelrunde, James ihnen gegenüber. Er hat den Katzentisch. Hektische Flecken überziehen sein Gesicht, die Schultern hat er hochgezogen. Die Hände liegen flach auf dem Tisch – und die Ohren sind rot. Entsprechend flach, ja devot ist anfangs sein Ton gegenüber dem Ausschuss. Aber der junge Murdoch weiß, wer ihm zuschaut. Und er ist gut vorbereitet, kennt jedes Detail und präsentiert sich als Aufräumer, der aus News Corp. nun ein sauberes Unternehmen machen will. Je länger die Fragestunde dauert, umso selbstbewusster wird seine Verteidigung.

Nur, reicht das?

Als die Journalisten des Boulevard -Blattes News of the World die Handys von Angehörigen vieler Mord- und Terroropfer ausspähten, war er schließlich Verlagschef der britischen Murdoch-Zeitungen. Während sie mithilfe von bestochenen Polizisten die Handys von Prominenten geortet haben, war James mit einer damals verantwortlichen Chefredakteurin befreundet.

Für die Investoren noch schlimmer: James Murdoch erleidet als Unternehmer, Stratege und Strippenzieher gerade die größte Schlappe seines Lebens. Und das kommt so: Dem Medienkonzern News Corp. gehören 39 Prozent der Bezahlsenderkette BSkyB , und James Murdoch hatte die Sender in den vergangenen Jahren ausgebaut. Erst war er dort Vorstandschef, nun ist er Aufsichtsratschef, und er wollte seine Leistung krönen, indem News Corp. den Bezahlsender vollständig übernimmt. Alles war vorbereitet, das Geld beschafft, doch dann kam der Skandal, und die Übernahme wurde abgesagt. Der Kurs von BSkyB rauschte in den Keller.

Statt Kasse zu machen, wüten die Investoren nun: "BSkyB hat durch den Skandal der vergangenen Wochen an der Börse drei Milliarden Pfund verloren", sagt einer von ihnen. "Da ist es wohl legitim, sich zu fragen, ob James Murdoch an oberster Stelle noch haltbar ist."

Nächste Woche treffen sich Vorstand und Aufsichtsrat, und bis dahin werden die Investoren über Murdochs Verbleib bei BSkyB entscheiden. Schon jetzt ist klar, dass die kampflustigen Anteilseigner mit einer großzügigen Dividende versorgt werden. "Wir rechnen damit, dass BSkyB rund zwei Milliarden Pfund auszahlen wird", sagt der Sprecher einer anderen Investorengruppe. "Aber ob das reicht, um James zu retten, ist alles andere als sicher."

Der Mann, auf den es ankommen wird, heißt Nicholas Ferguson. Der stellvertretende Aufsichtsratschef von BSkyB ist ein Veteran im Geschäft mit Firmenbeteiligungen. Er gilt als moralisches Aushängeschild einer oftmals übel beleumundeten Branche und schalt seine jungen gierigen Kollegen schon lange vor der Finanzkrise. "Nicholas hat sich bisher zurückgehalten, aber ich wette, dass sein Telefon in den nächsten Tagen heiß laufen wird", sagt ein Großaktionär. "Und wie ich ihn einschätze, ist ihm Anstand wichtiger als der Aktienpreis."

Muss James bei BSkyB gehen, ist er auch als Europachef von News Corp. und Vorstandsmitglied des Medienkonzerns kaum noch zu halten. Dann hat er als Manager auf ganzer Linie versagt.