Die Frage:"Sono ricco" , scherzt Riccardo manchmal, wenn er eine Runde einlädt. "Ich bin reich!" Er ist in Deutschland geboren, hat einen italienischen Vater und ist ständig pleite. Als er Ulrike kennenlernt, ist sie begeistert von seinem Schwung und seiner Großzügigkeit. Als aber die Rede auf einen gemeinsamen Urlaub kommt, druckst er herum, bis sie ihm die Wahrheit aus der Nase zieht: Dispokredit ausgeschöpft.

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"Bist du wahnsinnig?", platzt Ulrike heraus. "Das sind 15 Prozent Zinsen und mehr!" – "Keine Ahnung", sagt Ricco. Ulrike studiert die Auszüge, die Ricco selten beachtet. Sie überweist ihm den Fehlbetrag, damit er die ruinösen 17,5 Prozent für seine Überziehungen spart. Ricco ist seither verändert. Er scheint sich zurückzuziehen und alle Initiative ihr zu überlassen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Mir fällt ein anderer italienischer Satz sein: "Amici cari, conti chiari" . Liebe Freunde, klare Rechnungen. Ricco kann mit seiner Pleite leben; Ulrike würde an seiner Stelle leiden wie ein Tier. Seit sie ihm aus der Patsche geholfen hat, ist er ihr etwas schuldig. Das können nicht alle Menschen gut ertragen. Manche fühlen sich dann bedrückt und erleben eine Beziehung, die sie bisher unbefangen genossen haben, als Pflicht.

Ulrike sollte Ricco gelassen den Demütigungen seiner vom Automaten verschluckten Scheckkarte aussetzen. Oder mit ihm einen Vertrag aushandeln, in dem abgemacht ist, wie nicht nur er die teuren Bankzinsen spart, sondern auch sie ihr Erspartes angemessen verzinst.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE . Sein neues Buch "Das kalte Herz. Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle" ist imMurmann Verlagerschienen.

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