Zum Jammern, welche Schätze gut verpackt in den Depots lagern. Man sähe doch am liebsten all die Werke ausgestellt, vor allem die des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt. Die Sammlung des vor 20 Jahren eröffneten Hauses ist inzwischen auf mehr als 4.500 Werke angewachsen, doch nur zehn Prozent davon bekommen wir für gewöhnlich zu Gesicht. Zum Jubiläum lautet deshalb die Devise: Alles soll raus. Dass auch jetzt nicht mal die Hälfte zu sehen ist, geht in der grandiosen Jubiläumsschau, die noch bis zum 9. Oktober zu sehen ist, glatt unter.

Knapp 40 unterschiedliche Räume gruppieren sich im Stammhaus, dem "Tortenstück", um eine zentrale Halle, die noch jedes Kunstwerk mit sakralem Zauber bestäubte. Derzeit gebührt Michael Beutler und seiner sehr gelben Verpackungsinstallation outdoor-yellow 13 die Ehre des Auftakts.

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/​Bongarts/​Getty Images

Das Museum beherbergt Kunst vom Ende der fünfziger Jahre bis in die Gegenwart hinein; zu den neuesten Erwerbungen gehören eine Rauminstallation von Isa Genzken und ein Fotoraum von Wolfgang Tillmans. Dabei verfügt das Museum über keinen Ankaufsetat, sondern ist auf Spenden und Schenkungen angewiesen. Den Schwerpunkt der Sammlung bildet die amerikanische Pop-Art, uns aber zieht es zu dem amerikanischen Videokünstler Bill Viola und seiner zeitlos-mitreißenden Bild- und Toninstallation The Stopping Mind, 1991 eigens für das MMK konzipiert: vier große Leinwände im Quadrat, die den Besucher in der Dunkelheit umfangen. Standbilder werden projiziert, dazu wispert eine Stimme, die unsere innere sein könnte. Ohne Vorwarnung bricht Höllenlärm in die Stille, die Bilder fangen an zu rasen, der eigene Herzschlag ebenso. Dann kehrt wieder Ruhe ein, und alles beginnt von vorn.

Eine Art Bewusstseins-Erlebnis erwartet die Besucher auch in dem wunderbaren Lichtraum Twilight Arch von James Turrell. Ein Ort der Meditation, an dem die Kunst den Betrachter zur Besinnung bringt, wobei man sich erst ins Dunkle wagen muss, um in den Genuss einer durch und durch blauen Wirklichkeit zu gelangen. Womit wir bei der vornehmsten Aufgabe eines Museums sind: Kontemplation. Doch die benötigt Raum – Freiraum. Daran mangelt es im MMK. Zum runden Geburtstag funktionierte man deshalb ein zum Abriss freigegebenes Bürogebäude zur trashigen Filiale auf Zeit um. Auf sieben tristen Stockwerken türmen sich Schätze der Sammlung. Darunter die umwerfenden Kürzestfilme des viel zu früh verstorbenen Frankfurter Künstlers Peter Roehr, der die Moderne in all ihrer stupiden Wiederholbarkeit auslotete und dem hier endlich ein eigenes kleines Kino mit vier Sitzplätzen eingerichtet wurde. Auch Stephan Balkenhols zauberhafte Tierparade darf sich mal wieder aufs Schönste ausbreiten: 57 aus Wawa-Holz gefertigte Pinguine in allen erdenklichen Lebenslagen. Gar nicht zu reden von den zahllosen (Wieder-)Entdeckungen, die das Haus bereithält: Walter Dahn, Silvia Bächli, Douglas Gordon, Sarah Morris und, und, und. Allen gemeinsam ist: fürs Kellerdasein nicht geschaffen.