Die Quadriga-Affäre wäre Sommerloch-Theater gewesen, wenn es nicht um den großen Wladimir Putin gegangen wäre, den die Werkstatt Deutschland, bis dato kein hochberühmter Verein, als "mustergültigen Staatsmann" (so der ironische Titel der SZ ) zu ehren gedachte.

Der Preis wird nun ausgesetzt, was die gute Nachricht ist. Denn "mustergültig" ist Putin nur als neuer Zar des 21. Jahrhunderts, als Mann, der seine Gegner ins Straflager verbannt , die Medien gleichschaltet, die Opposition gnadenlos unterdrückt, den Kreml in eine Klepto AG umfunktioniert hat – mit Sicherheitsapparat und willfährigen Oligarchen als Hauptaktionäre.

Die Ent-Preisung folgte einem klassischen Drehbuch; das sind die schlechteren Nachrichten. Am klügsten hat sich noch Putin verhalten, genauer, sein Sprecher Peskow: "Wir halten uns nicht für berechtigt, uns in eine innere Entscheidung...einzumischen." Respekt. Ansonsten ging’s zu wie immer: Empörung in den Medien, Entrüstung russischer Dissidenten , Rückgabe der vier Pferdchen durch frühere Preisträger, Abgänge aus dem Kuratorium, schließlich: Putin minus Gespann.

Damit aber war der Jahrmarkt der Peinlichkeiten noch nicht zu Ende. Der Verein handelte nicht aus Einsicht, hat die doch schon bei der Kür gefehlt . Stattdessen bemühte er den "zunehmend unerträglichen Druck". Er sei "betroffen", lautete das klassische Wieselwort. Im umschlagenden Wind meldeten sich lauter Kuratoriumsmitglieder, die beteuerten, die entscheidende Sitzung geschwänzt zu haben. Freilich waren sie von der Nominierung informiert worden; die Post muss im Aktenberg untergegangen sein.

Margarita Mathiopoulos (FDP) bediente beide Seiten: Wäre sie dabei gewesen, hätte sie sich tapfer der Stimme enthalten; anderseits geißelte sie den "heftig aufgekommenen Moralismus" der Kritiker, um dann zur probaten Aufrechnungsmethode zu greifen: "Sind wir in dieser Republik nicht auch von Politikern wie Hans Globke, Herbert Wehner oder Joschka Fischer mitregiert worden?" Fischer als junger Hitzkopf in Frankfurt, Putin als kaltblütiger Architekt des Autoritären – alles einerlei.

Ende des Sommertheaters, aber nicht jenes Dramas, das wir "Privat-Außenpolitik" nennen wollen. Da ist ein obskurer Verein, der bisher honorige Menschen mit den Quadriga-Rössern geehrt hat: Norman Foster, Helmut Kohl, Schimon Peres, Gerhard Schröder, Silvia von Schweden. Dann griff er mit Putin daneben, und es ist nur dem Kreml zu verdanken, dass die Eitelkeit des Vereins – Ehrende ehren immer sich selber – nicht zum Eklat zwischen Berlin und Moskau ausartete. 

In einer Demokratie ist alles Streitfrage. Aber Demokratie ist vor allem Öffentlichkeit, in der Innen- wie der Außenpolitik. Wenn Selbst-Belobiger und Interessenvertreter aus dem stillen Kämmerlein heraus in die große Politik eindringen, wenn Minister und MdBs im Gremium erst nach der Aufwallung protestieren, dann schlägt die Stunde der Amateure – in diesem Fall zum Schaden Deutschlands. Wenn der Verein Außenpolitik machen will, dann im Lichte der Öffentlichkeit. Im Dunkeln möge er nur noch Preisträger wie Harry Potter und die Zahnfee küren.