ZEITmagazin: Frau Winkler, Sie sind zusammen mit Ihrer Familie viel umgezogen. Hat das etwas mit innerer Unrast zu tun?

Angela Winkler: Nein, mein Leben ist so. Ich begebe mich gern in neue Situationen. Ich gehe immer an Grenzen. Ich habe einen Mann, der genauso tickt: Wenn es zu gemütlich wird, gehen wir weg. Was ich nicht mag, ist Trott. Mein Mann ist Bildhauer, und er verspürt dieses Bedürfnis nach Wechsel noch viel mehr als ich. Aber ich habe das zusammen mit unseren vier Kindern immer gerne mitgemacht. Wir sind alle sieben Jahre umgezogen, haben ein altes, verfallenes Haus wiederhergerichtet, und wenn die Ruine renoviert war, sind wir weitergezogen. Ich führe ein experimentelles Leben. Heute reden alle nur von Sicherheit, aber was bedeutet schon Sicherheit, wenn doch schon morgen alles aus sein kann?

ZEITmagazin: Andererseits, so sieht es aus, führen Sie ein ziemlich stabiles Leben. Sie sind seit 38 Jahren mit ein und demselben Mann zusammen. Das können heute ja nicht mehr viele von sich sagen.

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Winkler: Es war eben immer abenteuerlich mit meinem Mann. Es hat mich nie gelangweilt mit ihm, es gab immer Überraschungen. Wir haben aber nie geheiratet. Ich wollte das nicht, denn meine Eltern hatten so eine wunderbare Liebe, und da habe ich immer gedacht: So was schaffe ich ja eh nicht. So eine Treue. Gut, was heißt treu? Ich hatte auch meine Lieben während dieser 38 Jahre, war auch schon mal verliebt, logisch, aber immer war klar: Wigand ist mein Mann. Und das wird er auch bleiben, bis einer von uns hopsgeht.

ZEITmagazin: Vielleicht war es doch das Vorbild der Eltern, das Ihnen Zutrauen gegeben hat?

Winkler: Es ist eine Vertrauensgeschichte. Das Schlimmste in einer Beziehung ist, wenn das Vertrauen verloren geht. Dann geht auch die Liebe weg. Mein Mann und ich haben uns dieses Vertrauen erarbeitet. Man darf keinen Zwang ausüben. Als ich das erste Kind bekam, sagte ich mir: Eigentlich muss es so sein, dass ich immer den Koffer packen, das Kind auf den Arm nehmen und weggehen kann. Ich wollte meinen Mann nicht verantwortlich machen dafür, dass ich jetzt ein Kind geboren hatte. Manche Frauen sagen ja: Wenn ich das Kind fünf Stunden habe, dann musst du es auch fünf Stunden nehmen. So was habe ich nie gemacht. Ich war immer sehr selbstständig. Wenn man klammert, wird es schrecklich, das kriege ich ja von allen Seiten mit. Und deshalb habe ich auch dieses Heiratspapier nicht. Das ist ja auch nur so ein Weg, zu sagen: "Du gehörst zu mir, und wir unterschreiben das."