Von riesigen, 30 Meter hohen Wellen, die ganze Schiffe verschlingen können, erzählen die Seeleute seit Jahrhunderten. Bis vor wenigen Jahren hielten seriöse Wissenschaftler das für Seemannsgarn. Sie glaubten, dass die Höhe der Wellen auf dem Ozean einer Normalverteilung folge. Damit wären solche Riesenwellen zwar theoretisch möglich, aber in der Praxis unwahrscheinlich. Fünfzehn Meter galten lange Zeit als Maximum.

Seit 1995 aber ist das Phänomen bewiesen. In jenem Jahr wurden zwei Riesenwellen dokumentiert: ein 26-Meter-Kaventsmann auf der Nordsee-Bohrinsel Draupner sowie ein 29-Meter-Brecher, der den Luxusliner Queen Elizabeth II traf. Das GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht bei Hamburg suchte daraufhin gezielt per Radar nach den Monstern und fand allein im Bereich eines Nordsee-Ölfelds in zwölf Jahren 466 von ihnen.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/​Getty Images

Inzwischen haben die Physiker ihre Modelle korrigiert . Aufgrund nicht linearer Eigenschaften der Wasserwellen treten die Extreme erheblich häufiger auf, als bei einer Normalverteilung zu erwarten wäre. Man unterscheidet verschiedene Typen, neben dem breiten Kaventsmann auch die steile "weiße Wand" und die "drei Schwestern", eine Gruppe schnell aufeinanderfolgender Brecher.

Mit Tsunamis haben Monsterwellen übrigens nichts zu tun. Die entstehen ja, weil der Meeresboden bebt, sind auf hoher See kaum wahrnehmbar und entfalten ihre Zerstörungskraft erst, wenn sie auf Land treffen. Die Monster hingegen wüten nur auf dem offenen Meer.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio