Wie ich träume, hängt davon ab, was ich gerade gegessen habe. Nach schwerem Essen sind meine Träume meist unangenehm, nach leichtem Essen ist es wahrscheinlicher, dass ich etwas Schönes träume. Unser Gehirn erscheint mir wie ein Computer. Alles, was wir wissen, haben wir darin. Wenn wir etwas brauchen, kommt es automatisch raus. Beim Schreiben zum Beispiel. Jeder schreibt mit den Händen, aber jeder mit einem anderen Fingerabdruck.

Bevor ich sterbe, würde ich gern so etwas wie einen Fingerabdruck meines Gehirns sehen, meinen Gehirnabdruck. Das wäre vielleicht so, als hätte man jemandem aus dem 18. Jahrhundert Fernsehbilder gezeigt. Ich glaube, er wäre verrückt geworden. Meine Träume aber machen mich nicht verrückt. Mein Leben war schon verrückt genug. Mir kann nichts mehr passieren.

Ich war nie besonders ehrgeizig. In meiner Zeit als Schwimmer habe ich beim Training oft gemogelt. Damals musste man 1.000 Meter am Tag schwimmen, ich habe meist nur 500 gemacht. Manchmal kam ich sogar mit einer brennenden Zigarette ins Schwimmbad. Das war ein bisschen dumm. Damals war ich ein Exhibitionist, ein Idiot. Ich fühlte mich sehr stark. Heute nicht mehr. Aber mein Motto war und ist immer noch: Lass mich vorbei, ich lebe gerade mein Leben!

Ich habe schlicht versucht, alles zu machen, was ich wollte. Alles außer zwei Dingen: Ich konnte keine Ballerina werden. Und Reiter auch nicht. Dafür war ich zu schwer. Zu meinen besten Zeiten habe ich 108 Kilo gewogen. Ich habe mir nie gewünscht, dass es weniger wären. Ich fühlte mich leicht. Meinem Wesen nach bin ich unbeschwert. Alles ist mir immer mühelos zugeflogen. Ich war immer ein Dilettant, vielleicht eine Art Hoch-Dilettant, ohne jemals nach dem Maximum zu streben.

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Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde, und auch nicht, ob mein Leben mit dem Tod endet. Nach dem Tod kommt ein virtuelles Leben. Nach dem Tod werden wir alles wissen, jetzt können wir nichts dazu sagen. Jedenfalls brauche ich mir jetzt nicht mehr das Rauchen abzugewöhnen. Ich habe schon einmal zehn Jahre lang nicht geraucht. Zwischen meinem 50. und 60. Lebensjahr. Warum sollte ich jetzt aufhören? Um noch wie lange zu leben? Ein oder zwei Jahre mehr oder weniger?

Ach ja, eine Sache habe ich noch. Demnächst werde ich ein Album herausbringen mit Liedern auf Neapolitanisch, dem Dialekt meiner Heimat. Ich habe alles gemacht: die Lieder komponiert und die Texte geschrieben. Ich kann keine Noten lesen, spiele auch kaum ein Instrument. Dilettant eben.

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